DRK-Kreisverband Hanau im Hochwasser-Einsatz: „Der Zusammenhalt ist enorm“

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Die Bilder und Berichte sind präsent und bestürzend. Vor weniger als zwei Wochen ereigneten sich die dramatischen Unwetter und die daraus resultierende Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die mehr als 170 Todesopfer forderte, unzählige Menschen obdachlos machte und für Schäden in Milliardenhöhe sorgte.

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Von Andrea Pauly

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In dieser Situation waren und sind zum Teil auch heute noch ehrenamtliche Helfer und Helferinnen des DRK-Kreisverbandes Hanau vor Ort im Einsatz mit Ausrüstung und Fahrzeugen - von Helfern des Sanitäts- und Betreuungszuges des Main-Kinzig-Kreises über Helfer für die Trinkwasserversorgung und Besatzungen mit Krankentransportwagen des Katastrophenschutzes wie auch Helfer der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV).

Auch die Anteilnahme sowie die Hilfsbereitschaft für die Flutopfer der Hanauer Bürger sind sehr groß. Inzwischen finden allerdings Geldspenden den sinnvollsten Einsatz, da die Lager in den betroffenen Gebieten gut gefüllt und wenig Kapazitäten vor Ort für weitere Sachspenden vorhanden sind. Nach Abschluss der Spendenannahme im Hauptquartier hat der Kreisverband bereits von zweckgebundenen Geldspenden für die jetzige Situation Notwendiges gekauft, wie Schaufeln, Besen, Heftpflaster sowie Verbandsmaterial, die weitere DRK-Helfern an den Einsatzort mitgenommen haben. „Denn große Teile der betroffenen Bundesländer sind intakt, so dass eine Nahversorgung sichergestellt ist - insbesondere mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Man kann nachvollziehen, dass viele spontan helfen wollten. Aber gerade in den ersten Tagen nach dem Hochwasser verstopften oftmals private Hilfstransporte die Straßen, so dass z.B. für Räumungsfahrzeuge und für unsere Trinkwasser-LKWs kein Durchkommen war - ein Problem, das inzwischen durch Sperrungen der Ortschaften für Privatfahrzeuge von außerhalb erfolgt ist. Private Helfer werden nun mit Shuttle-Services in die Orte gebracht“ erzählt Kai Hirchenhein, einer der zahlreichen Helfer und des Hanauer DRK in einem der betroffenen Gebiete im Landkreis Ahrweiler.

In seiner ehrenamtlichen Funktion als Rotkreuzbeauftragter ist Kai Hirchenhein auch verantwortlich für die Lenkung und Durchführung aller Aufgaben, die für die Vorbereitung des Katastropheneinsatzes notwendig sind. Außerdem vertritt er den Kreisverband in allen Angelegenheiten des Zivil- und Katastrophenschutzes gegenüber der Katastrophenschutzbehörde. Von seinem Helfereinsatz aus Sinzig im Kreis Ahrweiler zurückgekehrt, berichtet er von der DRK-Arbeit vor Ort. Der Voralarm sei am Freitag, 16.07. erfolgt, als der DRK-Landesverband Hessen die Alarmspitze des Kreisverbandes (Kreisbereitschaftsleitung, Geschäftsführung und Rotkreuzbeauftragten) informierte und der Einsatzstab alles weitere plante, so Hirchenhein. Der Einsatzbefehl kam Samstag früh. Bis zum Nachmittag waren dann neun Helfer mit Betreuungszug und Fahrzeugen vor Ort sowie vier weitere Einsatzkräfte der Trinkwasseraufbereitung, einer von ihnen Hirchenhein, mit LKWs zum Aufbau der Trinkwasserausgabestellen. Der Einsatzstab des Kreisverbandes beriet sich fortlaufend, wie er die Einsatzkräfte vor Ort unterstützen konnte und koordinierte die Hilfe des DRK von Hanau aus. Auch zwei Krankentransportwagen und die Schnelleinsatzgruppen des Katastrophenschutzes wurden alarmiert und rückten in die betroffenen Gebiete ab. Die ersten Helfer des Betreuungszuges kehrten am Sonntag gesund zurück und am Dienstag dann Helfer der Schnelleinsatzgruppe, die von ehrenamtlichen Kräften des 2. Sanitätszuges abgelöst wurden. Auch die Helfer der Trinkwasserversorgung wurden regelmäßig abgelöst. Am Dienstagmittag wurde ebenfalls ein Helfer der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) unseres Ortsvereins Hanau alarmiert. Er war gemeinsam mit weiteren Fachkräften aus dem Bereich der PSNV aus Hessen im Hochwassergebiet, um dort Anwohner und Einsatzkräfte zu betreuen.

„Bei der Ankunft am sogenannten Bereitstellungsraum Nürburgring in Rheinland-Pfalz wurden die verschiedenen Einsatzkomponenten je nach Ort des Einsatzes getrennt. Unter anderem die TWA (Trinkwasseraufbereitung) wurde in Löhndorf, einem vom Hochwasser nicht betroffenem Ortsbezirk von Sinzig im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler, stationiert“ erläutert der Rotkreuzbeauftragte. Hier sei es nur kurzfristig zu Stromausfällen gekommen, die dazu führten, dass Telefonverbindungen lahmgelegt waren. „Wir hatten aber unseren funktionierenden Digitalfunk. Am Sonntag begann dann der Einsatz mit den vier Trinkwasserversorgungslastwagen und Anhängern mit den 20 Wassertanks à 1000 l, die in den ersten drei Tagen verbraucht wurden. Mittwochnacht wurden nochmal 20 weitere Tanks nachgeliefert. Ortschaft für Ortschaft wurde nach den Räumungsarbeiten auf den Straßen erschlossen. Das hat Tage gedauert. Inzwischen könne alle Trinkwassertanks fortlaufend befüllt werden, um die Bevölkerung durchgehend zu versorgen“ sagt Hirchenhein. Geplant ist eine Versorgung für circa 12 Wochen, wobei die Hilfskräfte vor Ort nun wöchentlich abgelöst werden. Da noch nicht alle Häuser begangen werden konnten, musste vor Ort noch immer erkundet werden, während die Bundeswehr parallel dazu provisorische Brücken herstellte, um Teile von Ortschaften, die durch einen Bach/Fluss getrennt sind, erreichen zu können.

Die Basis für die DRK-Trinkwasser-LKWs befindet sich auf dem Parkplatz des Sportplatzes und geschlafen wird im Gemeindehaus auf Feldbetten. „Vor Ort wurden wir von Einheimischen verpflegt. Hier zeigt sich eine große Hilfsbereitschaft. Z.B. hatten sich vier Damen aus Löhndorf zusammengeschlossen, die uns Einsatzkräfte voll verpflegt haben. Oder Handwerker aus dem Ort, die vorbeikamen und ihre Telefonnummer hinterleißen mit dem Angebot, anzurufen, falls etwas gebraucht wird“ erzählt der DRK-Helfer. Ansonsten habe die örtliche Einsatzleitung die Verpflegung durch andere Verpflegungsstellen organisiert. „Doch je kürzer die Wege, desto besser in so einer Situation. Man muss sich vorstellen, es gibt Bereiche, wie in Ahrweiler, wo die Infrastruktur komplett zerstört ist, die Häuser nur noch leere schlammdurchtränkte Höhlen und die Straßen nach den ersten Aufräumarbeiten von Müllbergen gesäumt sind. Und dann gibt es keinen Kilometer entfernt, Ortsteile, wo das Leben ganz normal weitergeht, weil sie einfach etwas höher liegen“ beschreibt Hirchenhein die Situation im Einsatzgebiet, wo die DRK-Helfer immer von den frühen Morgenstunden bis Einbruch der Dunkelheit tätig waren.

Im Gegensatz zu dem, was momentan an manchen Stellen durch die Medien gehe, haben Hirchenhein und seine Kollegen die betroffenen Menschen vor Ort als sehr dankbar erlebt, auch wenn die DRK-Kameraden nicht immer alle Wünsche erfüllen und Fragen beantworten konnte, wie z.B. wo der vermisste Ehemann sein könnte. „Oftmals waren wir auch so etwas wie Seelsorger. Die Menschen haben uns ihre Erlebnisse und Geschichten erzählt, während wir unsere Trinkwassertanks aufbauten. So beispielweise eine Dame, die uns eine bewegende chronologische Schilderung der Nacht gab, als ihr Haus geflutet wurde und sie von Stockwerk zu Stockwerk bis auf das Dach des Hauses vor den Wassermassen geflüchtet ist, wo sie die Nacht verbachte, nicht wissend, ob sie hier für die nächsten Stunden in Sicherheit war“ erklärt der Rotkreuzbeauftragte. Diese und andere Schicksale hätten die Helfer stark berührt. Aber nicht nur der Kontakt mit den Anwohnern sei durchweg positiv und oft hilfreich gewesen, auch das Zusammenspiel mit den anderen Einsatzkräfte-Einheiten von der Feuerwehr, über die Bundeswehr bis zur Polizei habe reibungslos funktioniert und sei durchweg konstruktiv und unbürokratisch gewesen. Auch hier habe das Motto „kurze Wege“ gegolten. Man habe sich gegenseitig unterstützt und geholfen, um zeitnah und kurzfristig reagieren zu können. „Der Zusammenhalt ist einfach enorm zwischen allen beteiligten Kräften wie auch im Austausch mit der Bevölkerung“ resümiert Hirchenhein seine Einsatzzeit im Hochwassergebiet Ahrweiler.

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