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Eben noch voll im Saft stehende, mit frischem grünem Blätterdach und duftenden Blüten geschmückte Bäume und Sträucher zeigen sich urplötzlich kahl und wie von einem hauchdünnen silbrig schimmernden Trauerschleier überzogen. Naturpark-Ranger Berit Arend vom Naturpark Spessart e.V. hat sich das Phänomen, dass fast überall im Spessart zu beobachten ist, genauer angesehen: „Was wie ein feines weißes Vlies aussieht, entpuppt sich als ein riesiges Gespinst – ein „Schutzvorhang“ für unzählige kleine gefräßige Raupen, die hier am Werk sind. Es sind die Raupen von unterschiedlichen Gespinstmotten-Arten, die jeweils ihre ganz eigenen Wirtspflanzen aufsuchen“, erklärt die Naturpark-Mitarbeiterin.

Vor allem Pfaffenhütchen, Traubenkirschen, Weiden oder auch Schlehen werden von den Gespinstmotten heimgesucht. Dieses Jahr sieht man in der Region besonders viele befallene Gehölze. Berit Arend vermutet, dass die nachtaktiven Falter vom milden Winter und der trockenen Witterung profitieren. Haben die Gespinstmotten eine Pflanze ihrer Wahl gefunden, so spinnen sie diese komplett ein, um sich vor Fressfeinden wie z.B. Vögeln schützen zu können. Für das bloße Auge kaum mehr sichtbar, futtern Hunderte von ihnen gesellig das Pflanzengrün auf, bis von dem Strauch oder Baum schließlich nur noch kahle Äste unter der seidenen Schutzverkleidung hervorragen. Die Raupen der Gespinstmotten genießen bis etwa Mitte Juni ein meist unbeschwertes Dasein. Dann wird es Zeit, an den Fuß der Wirtspflanze zu krabbeln, um sich zu verpuppen. Besondere „Wächterraupen“ reparieren derweil kleinere Löcher im Gespinst und sichern das Überleben ihrer verpuppten Geschwister. Hierfür hat die Natur ihnen extra ein wenig mehr Lebenszeit zur Verfügung gestellt - sie verpuppen sich später.

Nach gut 2 Wochen schlüpft dann eine neue Generation von Gespinstmotten, die bis zu 80 Eier an Rindenritzen und Trieben ablegt. Auch wenn die Gespinstmotten aktuell vielerorts auftreten, so ist eine Bekämpfung der scheinbar nimmersatten Raupen nicht sinnvoll und notwendig. Zum einen regulieren Vögel, Parasiten und Krankheitserreger in der Regel die Bestände. Zum anderen schadet den meisten Pflanzen ein Intensivbesuch der Gespinstmotten und ihrer Raupen nicht dauerhaft: Die Gehölze treiben meist im selben Jahr erneut aus. Auch geht von dem Gespinst und den Raupen für Menschen keine Gefahr aus - im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner, dessen Haare starke allergische Reaktionen auslösen können.

„Es ist deshalb das klügste, der Natur ihren Lauf lassen, denn auch die umherfliegenden Gespinstmotten gehören schließlich in ein funktionierendes Ökosystem, indem sie unter anderem vielen Vogelarten wiederum als Nahrung dienen“, resümiert Naturpark-Ranger Berit Arendt.

Fotos: Gespinstmotten - vermutlich Pfaffenhütchen-Gespinstmotten (Yponomeuta cagnagella), aufgenommen im Naturschutzgebiet Spessartwiesen (Bildautorin Berit Arendt).

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