Sommersalon in Gelnhausen: „Heimat – eine Erfindung?“

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Warum leben wir, wo wir leben? Warum bleiben wir? Was sind unsere Wurzeln und Ziele?

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Anlässlich seines 5. Geburtstags präsentiert der Sommersalon unter dem Motto „Heimat – eine Erfindung“? diesmal ein ganz besonderes Programm: Vom klassischen Konzert im Weinberg bis zum großen Bar-Abend rund um die Villa, vom hochkarätigen Poetry Slam bis zum Vortrag über die Zukunftsfähigkeit der „Rural Areas“ wird das alte Wort Heimat zehn Tage lang klug und sinnenfroh mit neuem Leben erfüllt. Ein Höhepunkt ist in diesem Jahr das Ausstellungs- und Buchprojekt „Heimat“, das die Menschen der Region in den Mittelpunkt rückt und der Breite des Themas auf individuelle Weise gerecht werden will.

Unter dem Titel „Heimat – eine Entdeckungsreise“ wurden hierfür seit Beginn des Jahres interessante Menschen aus der Region zu ihrem Heimatgefühl befragt, was sie bindet und was sie inspiriert. Im Vordergrund standen dabei die Biografien der Menschen und ihr persönliches Umfeld. Und die Überzeugung, dass es auf die Frage nach der Bedeutung von Heimat viele Antworten gibt, die sich vor allem aus dem eigenen Lebensweg erschließen. Das Buch wird am 16. Juni im Rahmen der Vernissage zur Ausstellung vorgestellt, eine große Zahl der in der Publikation vorgestellten Protagonisten wird dann anwesend sein.

Dem sperrigen Begriff „Heimat“ rücken die Veranstalter in diesem Jahr aber noch auf anderen Wegen zu Leibe: Vom 15. bis zum 24. Juni, kurz vor Beginn der Sommerferien, wird er auf musikalischen, geistvollen und sehr menschlichen Ebenen behandelt, mit großartigen Künstlern, unbequemen Forschern und notorischen Weltverbesserern, und das an historischen Orten, die normalerweise verschlossen sind. Dabei wird das Konzept der vergangenen vier Jahre mit viel Anspruch fortgeführt: ein relevantes Thema von möglichst erhellenden Seiten zu betrachten und hierfür einen so familiären wie weltoffenen Rahmen zu schaffen. „Wir wollen genießen, streiten, staunen und ein abgegriffenes und oft missbrauchtes Wort kritisieren, umarmen und ihm frischen Geist einhauchen“, erklären die Organisatoren Kristina Michaelis und Ralph Philipp Ziegler, sind sie sich doch im Klaren darüber, dass „Heimat“ ein nicht einfach zu erschließendes Thema ist.

Konzerte und Bar-Abend

Der Bar-Abend rund um die Weiße Villa ist längst ein beliebter Klassiker, auch 2018 eröffnet er den Sommersalon. Zwei DJ-Floors laden zum Chillen im Park oder zum Tanzen vor dem Hauptportal. Die Frankfurter DJs Matthias „Weller“ Westerweller, Stella Friedrichs und Tomo Polic haben Einiges im Koffer für eine tolle Sommernacht, vom Chanson d´Amour bis zum Electro-Swing. An drei Bars gibt es dazu kühles Bier, süffigen Wein und leckere Cocktails. Von Klassik bis Jazz reicht in diesem Jahr die Spannbreite der Sommersalon-Konzerte, die es den Besuchern erlauben, hochkarätige Künstler aus allernächster Nähe zu erleben – und ihnen dabei zuzuhören, wie sie das Thema „Heimat“ auf ganz persönliche Weise übersetzen.

Für das Eröffnungskonzert am 16. Juni konnte die junge, in Salzburg geborene Violinistin Marie Radauer-Plank gewonnen werden. Schon während ihres Studiums entdeckte die 32jährige ihre große Leidenschaft für die Barockmusik. Kritiker bescheinigen der vielfach ausgezeichneten Solistin (u.a. Bachpreisträgerin, Gradus-Wettbewerb Wien) eine außergewöhnliche Fähigkeit, auch bekannteren Stücken so erstaunliche wie unerhörte Facetten zu entlocken. Im Großen Salon der Weißen Villa wird sie unter anderem Stücke von Bach und Sonaten von Johann Paul von Westhoff präsentieren. Der Jazz im Park findet in diesem Jahr erstmals an einem Freitagabend statt und wird mit einem zünftigen Vogelsberg-Barbecue verbunden, so dass sich die Besucher auf einen lange, musikalische Sommernacht freuen können. Der international bekannte, aus Ungarn stammende Jazzsaxophonist Tony Lakatos präsentiert gemeinsam mit den kongenialen Mitgliedern des Tony Lakatos Quintetts einen großen Schatz an Eindrücken und Einflüssen aus der ganzen Welt und bringt temperamentvoll die Park-Terrasse zum Vibrieren. Zwischen den Sets werfen Matze Rieß und sein Team regionale Köstlichkeiten auf den Grill und kredenzen ein kühles Bier.

Einen gewaltigen Ausblick ins Kinzigtal und 25 beeindruckende Stimmen verspricht das erste Konzert im Weinberg überhaupt, das zugleich das fulminante Abschlusskonzert des Sommersalons sein wird – ein einmaliges Kunsterlebnis mitten in der Natur. Auf einem der letzten Grundstücke oberhalb des Pfaffenwegs, auf denen Weinanbau betrieben wird, präsentiert der renommierte Chor Delicaton Stücke, die mit viel Gespür für diesen Ort ausgewählt wurden. Eine geführte Wanderung gibt Informationen über die Geschichte der Gelnhäuser Winzer, die hier bis zum Ende des 19. Jahrhunderts einen so edlen Wein produzierten, dass sogar Lieferungen an den Hof nach Wien gingen.

Vorträge, Film und Poetry Slam

Heimat kann man auf hohem wissenschaftlichem Niveau, aber auch auf sehr sinnlichen Wegen erschließen. Die Vortragsreihe, der Film und ein Poetry Slam sollen hier möglichst originelle Zugänge eröffnen und eine Idee davon geben, dass Heimat ein Gestaltungsraum ist, in dem wir selbst wirksam sein können. In diesem Sinne: Was genau ist eigentlich Heimat? Und was passiert, wenn unterschiedliche Heimatvorstellungen aufeinandertreffen? Der Kulturwissenschaftler Walter Leimgruber von der Universität Basel, der die Diskussion um den Heimatbegriff immer wieder mit sperrigen Statements bereichert hat, wird nicht nur einen fundierten Hintergrund zur Geschichte des Begriffs geben. Er stellt ihn in so ungewöhnliche Zusammenhänge, dass eine lebhafte, aber fundierte Diskussion abseits jedweder Phrasendrescherei zu erwarten ist.

Dass der Verlust der Artenvielfalt eine Gefahr ist, die nicht nur unsere heimische Flora und Fauna betrifft, sondern sehr ernsthafte Konsequenzen für die gesamte Menschheit haben kann, ist längst kein Geheimnis mehr – ob es um die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen durch Insekten oder die Fähigkeit der Gewässer zur Selbstreinigung geht. Peter Haase, Leiter der Außenstelle Gelnhausen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Experte für Fließgewässerökologie und Naturschutzforschung, gibt Einblicke, wie es um die Artenvielfalt direkt vor unserer Haustür bestellt ist. Mit dem Leben in unserer unmittelbaren Umgebung beschäftigt sich auch das Forschungsprojekt „Smart Rural Areas“ des Fraunhofer Instituts Kaiserslautern (IESE). Es geht der Frage nach, wie das Leben in ländlichen Regionen auch morgen nach attraktiv sein kann und wie sich mit Hilfe moderner IT auch auf dem Land Services realisieren lassen, die normalerweise unrentabel wären – das betrifft nicht nur Mobilität und Logistik, sndern auch Wohnen und Arbeiten. Steffen Hess, Projektleiter am IESE, wird das Projekt vorstellen und diskutieren, was der Nutzen und die Folgen sein könnten.

Der in Kooperation mit dem Kino Gelnhausen geplante Filmbeitrag zum Thema ist in diesem Jahr „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ von Edgar Reitz. Der Film aus dem Jahr 2013 gilt als das „krönende Alterwerk“ und Vollendung seiner „Heimat“-Saga. Er spielt in den Jahren 1842 bis 1845, in denen sich eine riesige Auswanderungswelle nach Brasilien in Bewegung setzt. Noch einmal wird das große Wort „Heimat“ mit all seinen Ambivalenzen ausgeleuchtet, in so radikalen wie berührenden, unbedingt für die große Leinwand geschaffenen Bildern. Edgar Reitz wurde nach Gelnhausen eingeladen, allerdings war bis zuletzt noch unklar, ob er dabei sein kann.

Und was fällt jungen Poetry-Slammern zum Thema Heimat ein? Vier talentierte Slammer aus dem Rhein-Main-Gebiet werden im Villa-Park erstmals zum Kampf um den Goldenen Fuß antreten: Annika Hofmann, Artem Zolotarov, Lea Weber und Martin Weyrauch präsentieren in der ersten Runde Texte zum Thema Heimat, wie es dann weitergeht, bleibt (noch) ihr Geheimnis. Das Publikum entscheidet, wer mit seinen Worten direkt ins Herz sticht und der beste Slammer der Region ist. Der Poetry-Slam findet in Kooperation mit Tobias Gros und der Brentano Buchhandlung Gelnhausen statt.

Dass der Sommersalon nun schon zum fünften Mal stattfinden kann, verdankt die Privatinitiative der Unterstützung zahlreicher Gelnhäuser Firmen und Privatleute. „Wir waren hocherfreut, dass das Buch- und Ausstellungskonzept in diesem Jahr viele zusätzliche Förderer gefunden hat“, so die Veranstalter. Vor diesem Hintergrund war es auch möglich, für die Realisierung einen renommierten Fotografen wie Robertino Nikolic zu gewinnen. „Es ist in jedem Jahr eine Herausforderung, ein Programm, das immer Neues wagt und nicht von der Stange sein soll, in einem vergleichsweise kleinen Rahmen auf die Beine zu stellen, das wäre ohne diese tolle Unterstützung gar nicht möglich“, so Michaelis und Ziegler. Nicht nur das Vertrauen der Sponsoren ist in den letzten fünf Jahren immer weiter gewachsen. Auch bei den Menschen in der Region ist der „Sommersalon“ inzwischen eine fester Kulturtermin, bevor es in die Sommerferien geht.

„Der Salon steht und fällt natürlich mit dem schönen Rahmen, den uns die Weiße Villa bietet“, glaubt Michaelis, „er ist es, der aus tollen Veranstaltungen einmalige Erlebnisse macht.“ Ein besonderer Dank der Organisatoren geht deshalb an den Hausbesitzer Volker Hohmann, der auch in diesem Jahr wieder seine Privaträume in der Beletage der klassizistischen Villa zur Verfügung stellt. „Wir wissen, dass wir in diesem Jahr ein Reizthema angefasst haben“, bekennen Michaelis und Ziegler, „aber darin liegt auch die Chance zu einem so lebhaften wie kritischen Gedankenaustausch, und wo könnte man den besser pflegen als im Rahmen des Salons, wo jede Menge meinungsstarke und diskussionsfreudige Menschen aufeinandertreffen.“ Dass ihr Publikum diese Offenheit zu schätzen weiß, haben sie in den letzten fünf Jahren mehr als einmal erfahren.

Eintrittskarten sind ab dem 17. April an der Infothek im Rathaus Gelnhausen erhältlich oder können ab sofort unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! reserviert werden. Aktuelle Informationen gibt es unter www.weisse-villa-gelnhausen.de und www.facebook.com/weissevilla.

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