Glaubensspaltung spaltete auch den Spessart

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Die großen gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen und ihre Auswirkungen auf das Leben im Spessart, die mit der Renaissance eingeleitet wurden und in mancher Hinsicht die Neuzeit ankündigten, standen mit dem Titel „von der Reformation bis 1618“ im Mittelpunkt des jüngsten Online-Vortrages von Dr. Gerrit Himmelsbach vom Archäologischen Spessartprojekt (ASP) an der Volkshochschule der Bildungspartner Main-Kinzig GmbH.

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Herausragendes Ereignis war die von Martin Luther eingeleitete Reformation. „Mit der Glaubensspaltung wurden auch die Gräben im Spessart tiefer“, sagte Himmelsbach. Die Grafschaften Hanau, Rieneck und Wertheim seien zum Protestantismus gewechselt. Zu den territorialen Konflikten um gemeinsame Herrschaften seien nun auch kirchliche Verwerfungen, die mit der Gegenreformation an Brisanz gewannen, hinzugetreten. Mit dem Aussterben der Grafenhäuser der Rieneck und Wertheim kam es nach Himmelsbach in der Folge zu umfassenden territorialen Verschiebungen.

Schließlich hinterließen die Bauerkriege tiefe Spuren in der Spessartregion. Eine der zentralen Figuren spielte dabei der Bauernführer Florian Geyer, um 1490 in Giebelstadt geboren und am 10. Juni 1525 im Gramschatzer Wald bei Würzburg gestorben. Die Bauern hatte sich bei ihrem Aufstand gegen das feudale System auf Luthers Schrift „Von der Freiheit des Christenmenschen“ berufen. Luther distanzierte sich aber später von den Bauernkriegen in seiner Schrift "Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“. Die wirtschaftliche Entwicklung für die Spessartregion habe sich aber von den widrigen Umständen nicht aufhalten lassen. Ein wahrer Bauboom sorgte für prächtige spätgotische und Renaissancebauten bis hin zu einer Reihe von Schlössern.

Himmelsbach ging in seinem Vortrag auf die Bedeutung der Kartographie für den wirtschaftlichen Aufschwung im Spessart ein. Hier machte sich besonders Paul Pfinzing, geboren 29. August 1554 in Nürnberg einen Namen. Er erstellte detaillierte Karten unter anderem mit Ortsangaben zu wirtschaftlichen Einrichtungen wie Ziegelhütten, Glashütten und Schafhöfe und gab schließlich 1594 den „Pfinzing-Atlas“ heraus. Auch seine Angaben über Verkehrswege wie den Eselsweg und die Birkenhainer Straße, die sich im zentralen Spessart kreuzen, bildeten ein wichtiges Gerüst für die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere für den Warenverkehr und den Viehhandel der aufstrebenden Städte. In diesem Zusammenhang ging Himmelsbach ferner auf das Zoll- und Geleitschutzsystem jener Zeit ein. Ein wichtiger Kartograph war auch Elias Hoffmann aus Frankfurt. Er erstellte in den 1580er Jahren mehrere Karten des Gebietes zwischen Frankfurt und Hammelburg.

Im 16. Jahrhundert nutzten nach Himmelsbach folgende Wirtschaftszweige die Ressourcen des Spessarts: Mühlen, Kalkbrennöfen, Verkehr, Eisenhämmer, Steinbrüche, Jagd/Fleischversorgung, Glashütten, Bergbau, Salz, Ziegeleien, Weinbau, Bauholz, Schäfereien. Am Rande verwies Himmelsbach darauf, dass nach Erz mit der Wünschelrute gesucht wurde.

Die jüdische Bevölkerung sei an der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Epoche rege beteiligt gewesen. Aufschluss hierüber gebe das Buch „Der Judenweg“ von Barbara Rösch, erschienen im Verlag Vandenhoeck, Göttingen, 2009. Von dem jüdischen Engagement zeugten viele historische Stätten wie beispielsweise die Judenbrunnen an den Wegrändern zur Viehtränke, der jüdische Friedhof in Altengronau oder die ehemalige Synagoge in Lohrhaupten, so Himmelsbach weiter. Jüdische Viehhändler seien in Schöllkrippen, Langenselbold, Gelnhausen und Goldbach nachgewiesen. Auch das Handwerk der Wagner sei ein wichtiger Faktor gewesen, denn die teilweise schlecht beschaffenen Wege hätten erhöhten Reparaturbedarf entstehen lassen.

Foto: Eisenerzsuche.

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