Wie ein schützender Mantel in der letzten Lebensphase

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Was vor zwei Jahren als Modellprojekt im Wohnstift Hanau begonnen wurde, wird seit Oktober in allen 12 Einrichtungen der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises (APZ-MKK) angeboten.

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„Das Expertenteam Palliative Pflege, hat in den letzten zwei Jahren viel Lob für ihr Engagement in der palliativen Begleitung der uns anvertrauten Menschen erhalten. Das Projekt hat bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt – die positive Resonanz auf dieses Angebot war dabei überwältigend“, so der Geschäftsführer der APZ-MKK, Dieter Bien. So wurde das Projekt im März anlässlich des Deutschen Pflegetages in Berlin vorgestellt – zuletzt erhielt das EPP-Team zusammen mit dem Wohnstift das Deutsche Palliativ-Siegel.

Auch für die Erste Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises und Aufsichtsratsvorsitzende der APZ-MKK, Susanne Simmler, ist die Ausweitung der palliativen Begleitung auf alle 12 Einrichtungen des Kreises ein positives Signal und ein Grund zur Freude: „Die Erfahrungen aus den letzten zwei Jahren zeigen uns, dass ein solches Angebot gerade in der stationären Pflege dringend gebraucht wird.“ Im Rahmen der zurückliegenden Pflegesatzverhandlungen, haben die APZ-MKK eine Vereinbarung für besondere Leistungen zur Sterbebegleitung und zu Palliativ-Care abgeschlossen, die es ihnen ermöglicht, zusätzliche Palliativ-Care-Fachkräfte einzustellen. Das neue EPP-Team hat seinen Sitz in Rodenbach und wird von da aus in allen 12 Einrichtungen des Kreises im Einsatz sein.

Das steigende Lebensalter sorgt dafür, dass der Wechsel in eine Pflegeeinrichtung meist das letzte Mittel ist, wenn die Pflege zuhause nicht mehr bewältigt werden kann. Dadurch ist der Pflegeaufwand dort mittlerweile mit dem in Hospizen vergleichbar, mit dem Unterschied, dass im Hospiz bis zu viermal mehr Personal eingesetzt wird. Das führt zu einer Überlastung der Pflegekräfte, Konflikten in der Zusammenarbeit zwischen Pflege und behandelnden Ärzten und häufigen Klinikeinweisungen durch die Notärzte und Rettungsdienste. Um Abhilfe zu schaffen, wurde im Oktober 2018 das EPP-Team unter Leitung von Silvia Fuß ins Leben gerufen. Im Ergebnis hat sich die palliative Versorgung seitdem signifikant verbessert, Klinikeinweisungen konnten deutlich reduziert werden.

Die Aufgabe des EPP-Teams ist es, schwerstkranke Bewohner*innen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und diese Zeit – gemeinsam mit ihnen, ihren Angehörigen und den Pflegekräften – gut zu gestalten. Das EPP-Team koordiniert dabei alle Maßnahmen, die für die Betreuung in der letzten Lebensphase notwendig sind. Jedes Teammitglied hat eine Palliativ-Care-Ausbildung. Das EPP-Team erfasst die Bedürfnisse und Wünsche der Bewohner*innen, stimmt ärztlicherseits die zu erwartenden Symptome und die entsprechenden Maßnahmen ab und kommuniziert diese. Außerhalb des Stations-Dienstes innerhalb der Einrichtung, sind sie mit ihrem fachlichen Rat rund um die Uhr telefonisch erreichbar.

„An grauen und stürmischen Tagen schützten sich die Bürger des antiken Roms vor Regen und Kälte mit einem wollenen Überwurf, Pallium genannt. So wie dieser wärmende Mantel soll auch die palliative Pflege schwerstkranke und sterbende Menschen schützend umhüllen und sie in ihrer letzten Lebensphase begleiten“, beschreibt die leitende Palliative Care-Fachkraft Silvia Fuß, den Auftrag ihres Teams. In dieser Zeit stellen die erfahrenen, durch Weiterbildung besonders geschulten Pflegefachkräfte, nicht mehr die körperliche Aktivierung in den Vordergrund, sondern suchen gemeinsam mit den Betroffenen, ihren Angehörigen und den behandelnden Ärzten, nach Wege, um dem Leben in der verbleibenden Zeit wieder mehr Lebensqualität zu geben.

Ziel aller vom EPP-Team geplanten Maßnahmen und Therapieformen, die mit den behandelnden Ärzten und dem Pflegeteam vor Ort engmaschig abgesprochen werden, ist es, dass niemand unter Vereinsamung, Schmerzen und Ängsten leiden muss. „24-Stunden-Erreichbarkeit für die Kolleg*innen in der Pflege, wie auch für die behandelnden Hausärzte, hohe Empathie und Fachlichkeit und die absolute Unabhängigkeit vom regulären Dienstbetrieb, haben einige Lücken überbrückt, welche durch den immer fordernder werdenden Pflegealltag aufreißen. Das sind die drei Kernfaktoren für den Erfolg des EPP-Teams.“, so die Fachärztin für Allgemein- und Palliativmedizin und Vorsitzende des Vereins Palliative Patientenhilfe Hanau e.V., Dr. Maria Haas-Weber.

Der Verein Palliative Patientenhilfe Hanau e.V. kooperiert mit den APZ-MKK seit vielen Jahren und in unterschiedlichen Projekten, um die Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase in der Region zu verbessern. „Ohne die Unterstützung des Vereins, wäre es den APZ-MKK nicht möglich gewesen, dass Projekt EPP-Team vor zwei Jahren im Wohnstift zu starten.“, erklärte Geschäftsführer Bien und bedankte sich für die Unterstützung durch den Verein. So hat der Förderverein die Umsetzung des EPP-Teams im Wohnstift Hanau finanziell mit rund 261.000€ gefördert. Dies entspricht 80% der Gesamtkosten des auf zwei Jahre angelegten Projektes in Höhe von rund 326.000€. Von diesem Engagement profitieren jetzt alle 12 Einrichtungen des Kreises.

Foto: Dieter Bien (Geschäftsführe, hinten rechts) und Robert Steingrübner (Geschäftsbereichsleiter Altenhilfe, hinten links) freuen sich mit Dr. Maria Haas-Weber (Förderverein Palliative Patientenhilfe Hanau e.V., erste Reihe rechts), Volker Klug (Förderverein Palliative Patientenhilfe Hanau e.V. , vorletzte Reihe rechts) und Silvia Fuß (Leiterin des EPP-Teams, erste Reihe links), dass es gelungen ist, ein starkes Team aus Palliative Care-Fachkräften aufzubauen.

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