36 verdiente Handwerksmeister ausgezeichnet

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Normalerweise ist er es, der den verdienten Handwerksmeistern die goldenen und silbernen Meisterbriefe überreicht. Diesmal jedoch durfte sich Kreishandwerksmeister Martin Gutmann selbst in die Schar der Geehrten einreihen, die vor 40 oder 50 Jahren ihre Meisterprüfung abgelegt haben. Allerdings ist dies nur sinnbildlich zu verstehen, denn eine Übergabe der silbernen und goldenen Meisterbriefe im festlich-weihnachtlichen Rahmen, wie es bei der Kreishandwerkerschaft Hanau seit vielen Jahren üblich ist, konnte aufgrund der Pandemie diesmal nicht stattfinden.

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Stattdessen bekamen die verdienten Altmeister ihre Urkunden per Post zugeschickt. Nur einer, der bekam sie dann doch persönlich: Martin Gutmann. Vor 40 Jahren hatte der Hanauer Glaser seinen Meisterbrief entgegengenommen. Sein Stellvertreter Andreas Schreiner, der Obermeister der Maler-Innung, überreichte ihm die Version in Silber nun im Rahmen einer Vorstandssitzung der Kreishandwerkerschaft.

Gutmann erinnert sich, als sei es gestern gewesen, dass er in Karlsruhe an der Schule für Fensterbauer und später dann bei der Kreishandwerkerschaft in Hanau seine Meisterprüfung abgelegt hat. „Ich hatte ganz schön Bammel, dass ich in die mündliche Prüfung muss“, erzählt der 65-Jährige. Die Verlängerung drohte nur denjenigen mit einer Gesamtnote schlechter als „gut“. Er habe vorsorglich schon mal zur großen Handwerksfibel gegriffen und sich auf die Mündliche vorbereitet, sagt Gutmann schmunzelnd. Doch dann kam der Anruf des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses: „Mit guter Note bestanden“, hieß es und Gutmann fiel ein Stein vom Herzen. „Die Fibel habe ich dann nicht mehr angepackt“, ergänzt der Kreishandwerksmeister lachend. Sein Meisterstück, eine Kombination aus Fenster und Tür, hat er wie die meisten seiner Kollegen nur für die Galerie gemacht, eingebaut worden ist das gute Stück nie.

Damals, im Jahr 1980, war noch vieles anders: Die Gesellen mussten innerbetrieblich zunächst Erfahrung sammeln, ehe sie den nächsten Karriereschritt, den Meister, anpeilen konnten. Je nach Gewerk zwei bis fünf Jahre. Eine Regelung, die Gutmann durchaus für sinnvoll hält, denn theoretisch könne man nun mittlerweile schon mit 21 Jahren den Meister machen. Da fehle vielen jungen Handwerkern einfach noch die nötige Reife, glaubt er. Die Meisterausbildung hat sich im Laufe der Zeit den sich verändernden Anforderungen an die Handwerksberufe angepasst. Die ehemals sehr technische Ausbildung sei viel facettenreicher geworden. Gutmann findet es gut, dass heutzutage auch Kundengespräche und Verkaufsverhandlungen zu den Lerninhalten zählen und die Ausbildung der Fachkräfte abrundet.

Der Kreishandwerksmeister hat keinen ganz alltäglichen Lebenslauf: Er absolvierte seine Lehre fern der Heimat in einem Betrieb in Stuttgart. Sein Vater schickte ihn ins Schwabenland, weil das Glaserhandwerk in Baden-Württemberg in Deutschland den besten Ruf genoss. Als junger Geselle kehrte Gutmann dann in den Familienbetrieb nach Hanau zurück, der 1909 von seinem Großvater Georg gegründet worden und von seinem Vater Emil weitergeführt worden war. Trotz seiner Rolle als Junior musste er sich den erfahreneren Kollegen zunächst unterordnen. Erst mit 25 übernahm er dann als Meister Verantwortung und wechselte ins Büro. Die Firma beschäftigte in ihrer besten Zeit bis zu 30 Mitarbeiter.

Mittlerweile hat sich Martin Gutmann zur Ruhe gesetzt. „Ich bin jetzt Rentier“, sagt er augenzwinkernd. Seinen Betrieb hat er geschlossen, weil sich kein Nachfolger fand. Das ist generell ein Problem im Handwerk, dass der Nachwuchs fehlt. In vielen alteingesessenen Betrieben setzen sich die Inhaber bald zur Ruhe ohne dass die Nachfolge geklärt wäre. Als Kreishandwerksmeister arbeitet Gutmann seit vielen Jahren daran, die Branche jungen Menschen schmackhaft zu machen. Keine leichte Aufgabe, doch Gutmann ist beharrlich und zuversichtlich: „Das Handwerk bietet jungen Menschen nach wie vor beste Perspektiven, um Karriere zu machen.“

21 Silberne Meisterbriefe (40jähriges Meisterjubiläum)
Elektrotechnikerhandwerk: Peter Krocek (Bruchköbel), Bernd Mondroch (Nidderau), Werner Schättler (Nidderau)
Fleischerhandwerk: Dietmar Fischer (Langenselbold), Kurt Werkmann (Großkrotzenburg)
Friseurhandwerk: Jose Camacho (Hanau), Ulrike Ebeling (Hanau), Angela Fassing (Maintal), Helmut Kutscher (Maintal)
Glaserhandwerk: Martin Gutmann (Hanau)
Informationstechnikerhandwerk: Heidi Gasche (Erlensee), Bettina Maria Walter (Bad Orb)
Installateur und Heizungsbauerhandwerk: Klaus Wienziers (Westerngrund)
Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk: Günter Knäfel (Nidderau), Hans Steiner (Großkrotzenburg)
Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk: Hartmut Ehrhardt (Maintal), Wolfgang Göbel (Bruchköbel), Kurt Imkeller (Nidderau), Reinhold Weis (Alzenau)
Raumausstatterhandwerk: Carlos Kienitz (Maintal), Ortwin Schneider (Maintal)

15 Goldene Meisterbriefe (50jähriges Meisterjubiläum)
Elektrotechnikerhandwerk: Eberhard Emelius (Bad Orb)
Fleischerhandwerk: Reiner Michaelis (Maintal), Dieter Seifried (Nidderau)
Informationstechnikerhandwerk: Werner Schäfer (Erlensee), Dieter Simon (Sinntal)
Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk: Karl-Heinz Schlingloff (Rodenbach)
Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk: Heinz-Jürgen Barthold (Langenselbold), Reinhard Dalek (Maintal), Richard Kress (Lauterbach), Horst Schnatz (Hanau), Heinz Vogel (Maintal)
Maler und Lackiererhandwerk: Herbert Horst (Erlensee), Romuald Möser (Rodenbach), Wolfgang Schmidt (Hanau)
Metallbauerhandwerk: Rupert Hlava (Großkrotzenburg)

Foto: Kreishandwerksmeister Martin Gutmann (rechts) erhält seinen Silbernen Meisterbrief von stv. Kreishandwerksmeister Andreas Schreiner überreicht.

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