Darmzentrum: Therapie im fortgeschrittenen Tumorstadium

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Mit dem Ziel, die Prävention und Behandlung von Darmkrebs in der Region kontinuierlich zu verbessern, wurde im Jahr 2008 an den Main-Kinzig-Kliniken das interdisziplinäre Darmzentrum Gelnhausen gegründet und noch im gleichen Jahr erfolgreich zertifiziert.

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Seitdem wird die hohe Behandlungsqualität jährlich von der Deutschen Krebsgesellschaft und weiteren Zertifizierungsgesellschaften bestätigt. Seit April 2019 ist Prof. Dr. Andrej Khandoga Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und Leiter des Darmzentrums. Kontinuierlich steigende Patientenzahlen und regelmäßige Erweiterungen der Behandlungsmethoden machen das Darmzentrum Gelnhausen inzwischen weit über die Kreisgrenzen hinaus zum ersten Ansprechpartner für zahlreiche Patienten.

Im Interview spricht Prof. Khandoga über die neuesten Behandlungsmethoden.

Prof. Khandoga, Sie führen am Darmzentrum Gelnhausen über 90 Prozent aller Eingriffe minimal-invasiv, also über „Schlüssellochchirurgie“ durch. Noch vor gar nicht langer Zeit war man diesbezüglich eher zurückhaltend, da man fürchtete, nicht radikal genug operieren zu können.
Prof. Dr. Andrej Khandoga: "Internationale Studienergebnisse haben bereits vielfach gezeigt, dass derartige Befürchtungen grundlos sind. Minimal-invasive Eingriffe insbesondere bei Darmkrebs sind genauso sicher und von ihrem Outcome her deutlich überlegen. Diese Methode ist wesentlich schonender für den Patienten, sodass er nicht zusätzlich zu seiner Krebserkrankung eine offene Operation verkraften muss. Die Ergebnisse sind derart überzeugend, dass wir in Gelnhausen überwiegend die minimal-invasive Methode einsetzen. Eine Ausnahme bilden fortgeschrittene Tumore, die bereits auf andere Organe übergegriffen haben."

Ihr Darmzentrum hat aber auch durch andere modernste Techniken auf sich aufmerksam gemacht. So haben Sie beispielsweise die HIPEC bei Tumorbefall des Bauchfells hier etabliert. Könnten Sie uns dazu etwas sagen?
Khandoga: "Die HIPEC (Hypertherme IntraPEritoneale Chemotherapie) ist eine bereits vielfach erprobte Therapie bei fortgeschrittenen Tumorstadien, wenn diese auf das Bauchfell übergehen. Dabei wird nach der chirurgischen Entfernung des befallenen Bauchfells die Bauchhöhle mit einer erwärmten Chemotherapie-Lösung gespült. Dadurch können noch verbliebene Tumorzellen wirksam bekämpft werden. Diese kombinierte Therapie wird nur an wenigen Kliniken in Deutschland durchgeführt. Sie ist nicht bei allen Krebsarten möglich, hat sich aber beim Dickdarm- und Mastdarmkrebs bewährt und wird in unserem Darmzentrum mit gutem Erfolg eingesetzt. Welche OP-Technik und welche Behandlung generell für den jeweiligen Patienten die optimale ist, erarbeiten wir gemeinsam mit den Kollegen im Tumorboard, wobei je nach Fall neben der Gastroenterologie der Main-Kinzig-Kliniken auch die urologische und gynäkologische Klinik sowie die Onkologie und Strahlentherapie mit einbezogen werden."

Früher war es vor allem wichtig, dass der Tumor vollständig entfernt wird, auch wenn dabei empfindliche Nerven verletzt wurden und schlimmstenfalls Inkontinenz, Potenzstörung oder ähnliches die Folge war. Wie steht es heute damit?
Khandoga: "Glücklicherweise liegt heute der Fokus nicht nur auf Lebensverlängerung, sondern auf Lebensqualität. Entsprechend haben sich die Techniken verfeinert. Wir setzen an unserem Darmzentrum spezielle nervenschonende Operationstechniken ein, die die Beckennerven erhalten. So bleibt die Lebensqualität bestehen, ohne dass Kompromisse in Sachen Sicherheit eingegangen werden müssen."

Bei Ihnen kommt im Darmzentrum auch der DaVinci Roboter zum Einsatz. Für welche Patienten eignet er sich?
Khandoga: "Roboterassistierte Eingriffe erlauben bei allen Formen des Darmkrebses präziseres Arbeiten auf engem Raum, wie zum Beispiel im kleinen Becken. Hiervon profitieren Patienten, deren Tumor an schwer zugänglichen Stellen liegt. Der Roboter liefert dem Operateur dreidimensionale und stark vergrößerte Bilder, sodass gerade auf engstem Raum optimale Sicht gewährleistet ist. Eine schnellere Genesung, weniger Schmerzen, bessere kosmetische Ergebnisse und letztlich ein erhöhter Komfort sind nur vier der großen Vorteile für die Patienten. Aber die Indikation muss natürlich immer sehr individuell gestellt werden."

Welche Optionen stehen zur Verfügung, wenn der Tumor inoperabel ist?
Khandoga: "Gerade hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. So sind in der Chemotherapie extreme Fortschritte erzielt worden. In Kombination mit der genetischen Analyse kommen die modernen Medikamente als Vorbehandlung oder nach dem Eingriff zum Einsatz. Durch diese sogenannten multimodalen Konzepte und die personalisierte Therapie zusammen mit modernster Operationstechnik und der Kooperation mit den jeweils beteiligten Fachdisziplinen gelingt es im Darmzentrum Gelnhausen mehr und mehr, den Krebs in eine stabile Erkrankung umzuwandeln, mit der Betroffene viele Jahre lang gut zurechtkommen. Es kommt dabei sehr darauf an, dass man das Behandlungskonzept im Team und wirklich maßgeschneidert für den jeweiligen Patienten plant. Zudem nehmen wir an klinischen Studien teil. Wir prüfen für jeden Patienten, ob für ihn eine solche Studie infrage kommt und zusätzliche Heilungschancen bringen kann."

Eine der Besonderheiten in Gelnhausen ist die Metastasenchirurgie, die auch in weit fortgeschrittenen Fällen noch erfolgreich sein kann. Könnten Sie uns dazu etwas sagen?
Khandoga: "Bei den kolorektalen Karzinomen kann es im fortgeschrittenen Stadium zu Tochtergeschwülsten in der Leber kommen. Man spricht hier vom Tumorstadium IV, das früher als unheilbar galt. Aber wenn die Metastase als solche entfernt werden kann, besteht eine über 40-prozentige Chance, tumorfrei zu werden. Das ist sehr viel! Natürlich muss hier die Kombination aus Vorbehandlung, interventionellen radiologischen Methoden, Eingriff selbst und Nachsorge passen. Und selbstverständlich bedarf die Behandlung auch einer starken Intensivmedizin und Anästhesie. Nicht zu unterschätzen ist zudem die Bedeutung der Psychoonkologie für die Gesundheit des Patienten. Bei uns an den Main-Kinzig-Kliniken sind alle notwendigen Abteilungen schon früh involviert, um den Patienten eine bestmögliche, individuelle Versorgung zu ermöglichen."

Foto: Prof. Dr. Andrej Khandoga (Mitte) und das Team des Darmzentrums Gelnhausen führen knapp 90 Prozent der Darmkrebs-Operationen minimal-invasiv durch – für die Patienten eine sehr schonende Methode.

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