Kreiswerke: Zeitreise durch eine bewegte Geschichte

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Die Kreiswerke „feierten“ in 2020 ihr 100-jähriges Bestehen. Eigentlich. Doch dann stand wegen Corona das öffentliche Leben still. Aufgrund der Pandemie musste im vergangenen Jahr das geplante Fest abgesagt werden. Am letzten September-Wochenende feierte das Unternehmen jetzt anders: Corona-konform mit wetterfestem Event-Konzept, Livemusik und überraschendem Entertainment. Und mit prominentem Gastredner: dem hessischen Staatsminister Tarek-Al-Wazir (Grüne).

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Gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft gingen die Kreiswerke auf Zeitreise und machten zentrale Stationen einer bewegten Vergangenheit erlebbar.

Für Bernd Schneider, Geschäftsführer der Kreiswerke Main-Kinzig, ist dieses Jubiläum nicht nur für das Unternehmen ein denkwürdiges Ereignis, sondern auch für die Region und letztlich auch für ihn selbst. „Heute Abend feiern wir ein Jahrhundert voller Errungenschaften und Herausforderungen. Einen Landkreis, der seine Verantwortung für die Entwicklung der regionalen Infrastruktur zu jeder Zeit aktiv wahrgenommen hat.“

Für Landrat Thorsten Stolz (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender der Kreiswerke Main-Kinzig, sei es keine Selbstverständlichkeit, dass „unser seit jeher mehrheitlich kommunal geführtes Unternehmen in den zurückliegenden 100 Jahren seinen Platz im Markt behaupten konnte.“ Die Rahmenbedingungen wurden über diese Zeit mehrfach neu gefasst und grundlegend verändert. „Und dennoch haben die Kreiswerke die Herausforderungen gemeistert und sind heute ein modernes und leistungsfähiges Unternehmen“, setzt der Landrat in seiner Rede fort. Dieser Erfolg liege zu einem Teil in den wegweisenden politischen und unternehmerischen Entscheidungen begründet. Zum anderen sei er maßgeblich auch der Verdienst der mehr als 280 Beschäftigten der Kreiswerke-Gruppe. Sie engagieren sich täglich im technischen Betrieb der Netze, im Kundenkontakt, in der Verwaltung oder in den Bussen für die Menschen in der Region Main-Kinzig. Über ihre Tochterunternehmen leisten die Kreiswerke zudem einen aktiven Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz. Eines wurde an dem Abend sehr deutlich: Infrastrukturversorgung ist eine Generationenverantwortung!

Hier knüpfte Bernd Schneider an: Der Anspruch zur Nachhaltigkeit, also so zu handeln und zu wirtschaften, dass dies auch den kommenden Generationen gerecht wird, sei die Mission des Unternehmens. Die Energiewende passiere eben nicht so nebenbei. Und der Klimawandel führe auch in der Wasserversorgung zu Herausforderungen, die nicht mit dem kleinen Finger zu lösen sind, sondern mehrere Hände brauchen. „Die Ausmaße des Klimawandels wurden uns allen in diesem Jahr mit den grauenhaften Bildern der Flut-Katastrophe im Westen unseres Landes oder auch den verheerenden Waldbränden in Südeuropa erneut vor Augen geführt“, setzt der Kreiswerke-Chef fort. Insofern war es ihm eine Herzensangelegenheit, mit Zuwendungen des Abends als Zeichen der Solidarität das „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ von der Caritas, dem Deutschen Roten Kreuz sowie der Diakonie zu unterstützen. Von der infrastrukturellen Versorgung bis zur Soforthilfe für betroffene Menschen – hier komme das Geld breit an, wo es am nötigsten gebraucht wird.

Als Gastredner des Abends ging Hessens Wirtschaftsminister Tarek-Al-Wazir auf die Energiewende in Deutschland ein. „Die Energiewende ist in vollem Gang, aber es muss mehr geschehen. Es zeichnet sich ab, dass wir bereits deutlich vor 2050 unseren Energiebedarf vollständig aus erneuerbaren Quellen decken müssen.“ Dafür die Voraussetzungen zu schaffen, sei die wichtigste Aufgabe der künftigen Bundesregierung. Ausdrücklich lobte der Minister dabei das Engagement der Kreiswerke-Gruppe mit ihren Solarparks, Sonnendächern, Windenergieanlagen sowie ihren nachhaltigen Wärme- und Beleuchtungsmodellen: „Mit ihrer Innovationskraft und ihrer Kundennähe gehören kommunale Unternehmen zu den Schlüsselakteuren der Energiewende. Die Kreiswerke Main-Kinzig sind in dieser Hinsicht außerordentlich modern und beispielhaft.“

An diesem Abend begab man sich nun gemeinsam mit den Gästen auf Zeitreise. Mithilfe bewegter und bewegender Bildclips gedachte man all der Menschen, die das Unternehmen aufgebaut und in den letzten 100 Jahren – auch durch Kriege und Krisen – weiterentwickelt haben. Das Entertainment in Form von Filmen und Spots, die das Publikum auf faszinierende Weise durch die Zeit reisen ließen, hatte die in Gelnhausen ansässige Filmproduktion PEAL produziert.

Untermalt mit Livemusik der Band „Geräuschimpulse“ - einer Combo aus dem Künstlernetzwerk um Berufsmusiker Andy Fischer – wurde das Publikum zurück versetzt in die Epoche des Charleston, Jazz & Swing, in die Zeit der Petticoats & Rock´n´Roll, um dann mit dem „Wind of change“, der Hymne zur Wiedervereinigung, die Veränderungskraft der Gemeinschaft für die Herausforderungen unserer Zeit zu symbolisieren. Auf der Bühne spielte sich dazu ein sehr lebendiges Interview ab, bei dem Geschäftsführer Bernd Schneider durch den Moderator des Abends, Georg Schweitzer, dazu animiert wurde, auf äußerst kurzweilige und auch humorvolle Art die Geschichte seines eigenen Erlebens der letzten 22 Jahre bei den Kreiswerken Main-Kinzig Revue passieren zu lassen.

Für die kulinarische Bewirtung, bei der äußerster Wert auf Regionalität und Bodenständigkeit gelegt wurde, erntete Stefan Schwedt, Küchenchef des Guts Hühnerhof in Gründau-Gettenbach, mit seiner Crew viel Lob.

Etwas Wehmut war an dem Abend bei Bernd Schneider ebenfalls dabei. Denn mit der Feier rückt für den Geschäftsführer der Abschied aus dem Unternehmen Kreiswerke sehr nahe. Und damit auch der Abschied all dieser mit seinen Worten: „faszinierenden Menschen“. „Damit wird dieser Abend für mich gleichzeitig zu einem unbeschreiblichen Abschluss meiner beruflichen Laufbahn bei den Kreiswerken, für den ich wirklich aus tiefem Herzen dankbar bin“ – mit diesen Worten übergab der Geschäftsführer den symbolischen Staffelstab an seinen Nachfolger, Oliver Habekost.

„Der Staffelstab ist für mich das Symbol unserer Generationenverantwortung“, führte der neue Geschäftsführer abschließend aus. Er wolle damit gerne die Verantwortung der Infrastrukturdienstleistung für die Menschen der Region Main-Kinzig übernehmen. Verantwortung dafür, als Energie- und Wasserversorger Wege zu finden, den Herausforderungen des Klimawandels mit aller Kraft zu begegnen. Vor allen Dingen aber auch Verantwortung zu übernehmen für die Mitarbeiter:innen des Unternehmens. So habe man einen gemeinsamen Auftrag, nämlich auch weiterhin die Zukunft durch Infrastrukturlösungen zu gestalten. Und das werde heute und auch morgen noch so umgesetzt, wie es schon die Gründerväter gezeigt haben: Mit der Kraft der Gemeinschaft.

Die Zeitreise…

1920 – Die Kreiswerke erblicken das Licht der Welt
Alles begann sogar ein Quäntchen früher: 1919 schlossen sich der Kreis Gelnhausen und der Landkreis Hanau zur Ausführung von Elektrizitätsanlagen zusammen. Die Mitglieder der zuständigen Elektrizitätskommission stimmten allerdings am 17. Januar 1920 gegen die Gründung eines Zweckverbandes zur Finanzierung der Ausbaukosten. Schnell fiel die Entscheidung in Gelnhausen, die Stromversorgung selbst in die Hand zu nehmen. Der Gründungsvertrag datiert auf den 15. Februar 1920.

Conrad Lohrey – der Gründungsvater der Kreiswerke
1881 in Gelnhausen geboren, musste der gelernte Kaufmann als Halbwaise schnell auf eigenen Füßen stehen. Die Verantwortung für seine Mitmenschen und letztlich sich selbst hat ihn zu einem umsichtigen und verantwortungsvollen Lenker heranreifen lassen. Landrat Conrad Delius beauftragte ihn 1920 damit, ein kreiseigenes Elektrizitätsunternehmen aufzubauen. Ab da lenkte er die Geschicke des Regionalversorgers mit Einfallsreichtum und Beharrlichkeit durch stürmische Zeiten.

1927 – Die Kreiswerke rollen über Schienen
Schon Ende des 19. Jahrhunderts bewegten Züge auf vier Schmalspurlinien – Spessartbahn, Freigerichter Kleinbahn, Bad Orber Kleinbahn und Vogelsberger Südbahn – Passagiere und Güter. 1927 übernahm der Kreis Gelnhausen unter der Firmierung „Gelnhäuser Kleinbahnen“ den Eigenbetrieb. In den besten Jahren transportierten die Loks auf den verschiedenen Linien zwischen 20.000 und 80.000 Tonnen Güter und 250.000 bis 500.000 Passagiere jährlich. Und das bis in die Fünfziger und Sechziger Jahre hinein. Die Züge nach Bad Orb rollten gar bis 1995.

1951 – Omnibusse setzen sich durch
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Schienenverkehr negativ. 1948 gingen die Umsätze mit der Währungsreform zurück. Zudem mussten die Gelnhäuser Kreisbahnen viel Geld in neue Sicherheitsstandards investieren. Die absehbaren Defizite waren zu viel für den Kreis, so dass der Kreisausschuss die Umstellung auf Omnibusse vorschlug. Das geschah 1951 sukzessive auch auf den anderen Linien. Allerdings wechselte so nur eine Erfolgsgeschichte die andere ab: Der Omnibus ist mit einem umfangreichen Liniennetz bis heute der tragende Pfeiler der Mobilität im Kreisgebiet.

Die Wasserzähler kommen
Der Wasserzähler: Das Messgerät zum Erfassen des Wasserverbrauchs ist heute in keinem Haushalt mehr wegzudenken. Allerdings dauerte es bis 1964, bis alle Haushalte im Versorgungsgebiet mit der umgangssprachlich „Wasseruhr“ genannten Vorrichtung ausgestattet waren. Vorher wurde der Verbrauch pro Kopf – Mensch und Vieh – in einem Haushalt berechnet.

1970 – Aus kreiseigenen Betrieben wird die Kreiswerke Gelnhausen GmbH
Die Kreiswerke bündeln ihre Kräfte und richten den Fokus auf die Stromversorgung und Mobilität. Die Kreisbetriebe gehen in einer GmbH auf.

1980 – Die Kreiswerke organisieren die Gas- und Wasserversorgung neu
Schon früh entwickelte sich auch die Gas- und Wasserversorgung zum Standbein des Unternehmens. Hierzu gründeten die Verantwortlichen 1928 den Gasversorgungs-Zweckverband Kreis und Stadt Gelnhausen. Gaslieferant war die Stadt Hanau. Die Kreiswerke versorgten so die Stadt Gelnhausen und zehn Gemeinden des südlichen Kreisteils mit Wärme. 1980 gliederte das Unternehmen die Gas- und Wasserversorgung in die neu gegründete Gas- und Wasserversorgung Main-Kinzig GmbH aus, in der die Kreiswerke 50 Prozent der Anteile halten.

1995 – Das Aus für die Bad-Orber-Kleinbahn
6. März 1995: Der letzte Zug der Bad Orber Kleinbahn rollt auf der Strecke zwischen Wächtersbach und dem Kurstädtchen, mehr als drei Jahrzehnte länger als auf den drei anderen Bahnlinien im Kreisgebiet. Im Wettstreit um alternative Betriebsformen setzte sich der Omnibus durch. Heute fährt auf den historischen Schienen eine beliebte Museumsbahn.

Die 2000er – Eine Zeit des Wandels und der Konsolidierung
Der Beginn des neuen Jahrtausends ist vom Wettbewerb auf dem Energiemarkt und der Erschließung erneuerbarer Energien geprägt. Die Kreiswerke wachsen, indem sie im Jahr 2000 die Stromversorgung von Bad Orb übernehmen. 2008 geschieht das, was 1920 beim Zweckverband noch scheiterte: Die Kreiswerke Hanau und Gelnhausen fusionieren zu einem gemeinsamen Versorgungsunternehmen für die Strom- und Wasserversorgung im Altkreis Hanau und Gelnhausen. Nur ein Jahr später investieren die Kreiswerke in die grüne Zukunft der Energieversorgung. Die Versorgungsservice Main-Kinzig-GmbH forciert seitdem die Nutzung regenerativer Energien. 2019 schließlich stockt der Kreis seine Geschäftsanteile an den Kreiswerken auf 75,5 Prozent auf.

Bildnachweise:
Alle historischen Fotos sind © Archiv der Kreiswerke Main-Kinzig GmbH
Die symbolische Staffelübergabe ist © Kreiswerke Main-Kinzig GmbH/Sebastian Wiegand
Alle aktuellen Fotos von der Feier sind © Kreiswerke Main-Kinzig GmbH/Michaela Ullrich Fotografie

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