Herbstzeitlose ist robust: Hitzesommer 2018 war kein Problem

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Im mittlerweile fünften Projektjahr zur Rückdrängung der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale L.) auf extensiv bewirtschaftetem Grünland, koordiniert durch die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA), zeigt sich kein nennenswerter Einfluss des Hitzesommers auf den Bestand der Herbstzeitlosen.

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Durch die hübschen lila Blüten im Herbst ist die Herbstzeitlose vielen Menschen bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, dass die Pflanze aufgrund ihrer giftigen Inhaltsstoffe ein Problem für heufressende Nutztiere darstellt. Die Tatsache, dass sie durch den Verzehr der Herbstzeitlosen schwere Vergiftungen erleiden können, ließ den Ruf der Landwirte und Tierhalter nach geeigneten Rückdrängungsmaßnahmen immer lauter werden.

Das Projekt

Deshalb wurde 2015 im Main-Kinzig-Kreis auf rund 600 Hektar Wiese ein Projekt unter besonderer Berücksichtigung von Natur- und Artenschutz ins Leben gerufen. Unter der Leitung der GNA wurde eine Kooperation aus Kommunen, dem Amt für Umwelt, Naturschutz und ländlichem Raum, dem Kreisbauernverband und vielen landwirtschaftlichen Betrieben gebildet. Gefördert wird das Projekt derzeit über das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen (HALM).

„Seit nunmehr fünf Jahren untersuchen wir, wie die Ausbreitung und der Bestand der Herbstzeitlosen im extensiv genutzten Grünland reduziert werden kann.“ berichtet Susanne Hufmann, Vorsitzende der GNA. Und Biologin Patrizia König, wissenschaftliche Koordinatorin des Projekts, fügt hinzu: „Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass sowohl der Zeitpunkt, als auch die verwendete Methode maßgeblich den Erfolg der Rückdrängung beeinflussen.“

Der Zeitpunkt ist wichtig

Der beste Zeitpunkt zur Schwächung der Herbstzeitlosen ist bei einer Blattlänge von 20 bis 25 cm erreicht. Dann ist die aus dem Vorjahr gespeicherte Energie aus der Knolle verbraucht. Gleichzeitig wurde über die Blätter noch nicht genügend neue Energie gebildet. Ein weiteres Wachstum und die Vermehrung der Pflanze werden so behindert, oder sogar komplett unterbunden. Bei zu früher oder zu später Bekämpfung erholt sich die Pflanze jedoch und vermehrt sich weiter.

Die Methode ist relevant

„Als beste Methode zur Rückdrängung erwies sich bisher das Ausreißen“, so König. „Die Blätter müssen jedoch bis zur Knolle hinab abgerissen werden, um die Pflanze größtmöglich zu schädigen, was diese Vorgehensweise leider sehr arbeitsintensiv macht. Ist die Fläche nicht all zu groß und der Bestand der Herbstzeitlosen nicht all zu hoch, kommt diese Methode in Frage“. Alternativ werden frühes Mulchen oder Silagemahd als geeignete Alternativen untersucht. Bisher bleibt der Erfolg jedoch hinter dem Ausreißen zurück. „Grund hierfür scheinen die weiterhin zur Photosynthese und Energiegewinnung fähigen Blattreste zu sein, welche beim Mulchen und Abmähen stehen bleiben. Bei zu später Anwendung der Maßnahme wachsen diese sogar weiter.“, sagt König.
Historische Berichte

Jüngst wiederentdeckte, über 150 Jahre alte, historische Berichte aus Hessen, erwähnten schon damals das Ausreißen, mit Erfolgsquoten von bis zu 90% in kurzer Zeit, als effektivste Vorgehensweise zur Bekämpfung der Herbstzeitlosen. Allerdings wird hier auch eine hohe Bodenfeuchte während und nach dem Ausreißen als Bedingung genannt, um durch den austretenden Pflanzensaft zusammen mit dem Wasser in der Erde die Knollen abfaulen zu lassen.

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Somit spielt die Witterung ebenfalls eine erhebliche Rolle. „In den kommenden Jahren sollte deshalb intensiv untersucht werden, ob sich durch eine hohe Bodenfeuchte direkt während und kurz nach der Anwendung der Maßnahmen tatsächlich eine höhere Erfolgsquote bei der Rückdrängung der Herbstzeitlosen einstellt als dies bislang der Fall war.“, sagt Patrizia König. Allerdings spielt die Witterung auch in entgegengesetzter Richtung eine Rolle. Aufgrund langer Überschwemmungsphasen in den ersten Jahren des Projekts konnten vor allem andere Maßnahmen als das Ausreißen teilweise erst sehr spät angewandt werden. So wurde teilweise erst gemulcht, als die Pflanzen im Grunde schon zu groß waren. Gleiches gilt grundsätzlich auch für die Silagemahd. Dies ermöglichte es der Pflanze ausreichend Energie zu sammeln, um sich zu erholen und zu vermehren.

Der Hitzesommer 2018 zeigte nicht die erhoffte Wirkung

Die Hoffnung, der Sommer im vergangenen Jahr könnte negative Auswirkungen auf den Bestand der Herbstzeitlosen gehabt haben, konnte dieses Jahr bislang nicht bestätigt werden. Die extreme Trockenheit 2018 fiel genau in die Sommer-Ruhephase der Herbstzeitlosen. Da die Blätter während dieser Phase üblicherweise vertrocknet sind und die Knolle den Sommer unterirdisch überdauert, fand scheinbar keine Beeinträchtigung durch Wassermangel statt. Immerhin konnte im Frühjahr 2019 auf Flächen, auf denen Maßnahmen stattfinden, im Vergleich zu den Vorjahren eine Abnahme des mit Herbstzeitlosen besetzten Areals verzeichnet werden. Die Ausbreitung wurde somit offenbar gestört. Aufgrund mangelnden Aufwuchses durch die Trockenheit 2018, war allerdings auf vielen Flächen keine zweite Mahd möglich. So konnten sich im Herbst 2018 die Blüten optimal entwickeln und Samenanlagen bilden. Nach der Blüte zieht sich die Herbstzeitlose über den Winter wieder komplett unter die Erde zurück, um im Frühjahr neue Blätter zur Energiegewinnung auszutreiben und ihre im Vorjahr befruchteten Samenstände nach oben zu schieben. Die relativ trockene und warme Witterung im Frühjahr 2019 war hierfür optimal. Die Zählung der Blüten in diesem Herbst wird deshalb mit Spannung erwartet.

Grundlegende Informationen

Die Samenreife der Herbstzeitlose fällt genau in die Zeit der späten ersten Mahd. Unter naturschutzrechtlichen Aspekten wurde diese extensive Bewirtschaftung in den letzten Jahren vermehrt gefördert, da sie eine hohe Vielfalt an Pflanzen und Tierarten fördert. Allerdings scheint sie, neben vielen anderen Arten, auch die Herbstzeitlose enorm zu fördern. Im ungünstigsten Fall werden die reifen Samen der Herbstzeitlose ungehindert auf den Flächen ausgebreitet. Damit einhergehende Ertragseinbußen des Herbstzeitlose-belasteten Heus, führen im ungünstigsten Fall zur Aufgabe der Mahd. „Dies hätte über wenige Jahre den Aufwuchs von Gestrüpp und Gebüsch zur Folge und irgendwann entstünde ein Wald. Naturschutzfachlich würde dies jedoch einen großen Verlust an vielen Pflanzen- und Tierarten bedeuten, die auf die extensiv genutzten Flächen angewiesen sind.“, schließt König. Deshalb ist eine erfolgreiche Rückdrängung der Herbstzeitlosen von großer Bedeutung für den Erhalt des offenen Grünlandes und der Artenvielfalt.

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