Bald ist Schluss mit einer einfachen Ladenkasse

Vogler
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Wer ab und zu in Italien unterwegs ist und dort in einer Pizzeria oder in einem Ristorante Essen geht, der kennt es: Nachdem die Rechnung beglichen wurde erhält der Gast seine „Ricevuta fiscale“, einen Beleg, der nach dem Verlassen des Gasthauses auf Verlangen der „Guardia die Finanza“ (Steuerpolizei) vorzulegen ist. Mit diesem Vorgehen wollen die italienischen Finanzbehörden sicherstellen, dass die Gastronomie korrekt ihre Steuern abführt.

Was bei der Abrechnung in der Gastwirtschaft noch nachvollziehbar erscheint, mutet hingegen beim Einkauf – zum Beispiel von einigen Brötchen beim Bäcker – doch sehr befremdlich an. Genau eine solche Kuriosität wollen die für ihre Gründlichkeit berühmt und berüchtigten deutschen Finanzämter in der Bundesrepublik Deutschland im kommenden Jahr flächendeckend einführen. Dann ist Schluss mit einer einfachen Ladenkasse. Und in der „Digitalwüste“ Deutschland müssen künftig bei jedem Bäcker und Kiosk hochmoderne Datenerfassungssysteme mit angeschlossenem Belegdrucker installiert werden. Wer also zwei Brötchen kauft, wird für sein Geld künftig nicht allein die gewünschten Backwaren erhalten, sondern einen gedruckten Beleg, der neben dem Betrag auch das erstandene Produkt und – wie könnte es anders sein – die entrichtete Mehrwertsteuer ausweist.

Wer wegen eines großen Hungergefühls sein Stückchen gleich im Laden auf einem bereit stehenden Stuhl verzehrt, wird übrigens mit 19 % MwSt. zur Kasse gebeten. Wer hingegen das Backwerk mitnimmt und sich erst draußen einen herzhaften Biss gönnt, der kommt mit 7 % MwSt. davon. Soweit der kleine Ausflug in den deutschen Steuerdschungel.

Der Einzelhandel in Deutschland rechnet künftig mit mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr, erklärte dazu der Steuerexperte des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Ralph Brügelmann. Der Verband kritisierte weiterhin, die benötigte Technik sei noch nicht am Markt verfügbar und die Umstellung kostspielig. Erste grobe Kostenschätzungen liegen einschließlich Installation zwischen 300 und 500 Euro pro Kasse. Ein Weiteres kommt hinzu. Wer einen solchen Beleg aus steuerlichen Gründen länger in der Geldbörse aufbewahrt, muss damit rechnen, dass die Schrift verblasst und schließlich völlig unleserlich wird. Der Grund: Die Schrift wird thermisch generiert.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (69) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere und nach Stationen als Redaktionsleiter und Mitarbeiter mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von vier Büchern arbeitet der gelernte Redakteur bis heute in Biebergemünd als "Freier Autor" für namhafte Fachpublikationen. Seine enge Verbundenheit zu den lokalen Medien hat er dabei nie verloren: Als Redakteur betreut er gegenwärtig das Mitarbeitermagazin "WIR" der Oikos-Gruppe (Bien-Zenker und Hanse Haus) und leistet für mehrere Unternehmen in ganz Deutschland "Formulierungshilfe" für deren Öffentlichkeitsarbeit. Von 1977 bis 2011 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an. Partei und aktiver Politik hat er seit langem den Rücken gekehrt.

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