Jeder zweite Jugendliche von sexueller Gewalt betroffen

Wetterau
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Jeder zweite Jugendliche ist von sexueller Gewalt betroffen Was können pädagogische Fachkräfte tun?

Und wie können sie einen respektvollen Umgang fördern? Zu dieser Frage veranstaltete der Fachdienst und Chancengleichheit des Wetteraukreises unlängst den Fachtag „HEARTBEAT“. Rund 100 Besucherinnen und Besucher informierten sich über aktuelle Forschungsergebnisse und verschiedene Präventionsansätze. Dabei wurde auch das Wetterauer Präventionsprojekt HEARTBEAT vorgestellt. Dessen Herzstück waren verschiedene Kunstworkshops, in denen sich Jugendliche mit ihren Einstellungen und Werten in Hinblick auf Liebe, Partnerschaft, Männer- und Frauenrollen auseinandergesetzt haben.

Die erste Verliebtheit oder Liebe im Teenageralter prägt für das weitere Leben. In diese Zeit fallen für viele Jugendliche aber auch erste negative Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Laut der hessischen Studie „SPEAK“ der Philipps-Universität Marburg gehören sexualisierte Grenzverletzungen, Übergriffe und Gewalt zum Alltag vieler jugendlicher Mädchen und Jungen. Diese gehen häufig von anderen Jugendlichen aus.

Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch begrüßte die Besucherinnen am Morgen: „Das große Interesse am Fachtag zeigt, welche Relevanz das Thema hat. Wir wollen mit guten Präventionsansätzen dafür sorgen, dass Jugendliche eine Kultur der Grenzachtung lernen.“

Sexuelle Grenzverletzungen

Was ist mit sexuellen Grenzverletzungen und Gewalt gemeint? Die Rede ist von Beleidigungen, Eifersucht und Kontrolle, das Weiterschicken von Nacktbildern bis hin zu sexueller Nötigung und körperlicher Gewalt. Rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren hat schon mindestens einmal körperliche sexualisierte Gewalt erlebt. Mädchen sind davon stärker betroffen, aber auch Jungen berichten von Übergriffen. Dies zeigt die Studie SPEAK, die beim Fachtag HEARTBEAT von Prof. Dr. Sabine Maschke aus Marburg vorgestellt wurde.

Neben dem Internet ist die Schule ein besonderer Risikoort. Deutlich wurde in der SPEAK-Studie als auch im Projekt „HEARTBEAT“, dass Jugendliche großes Interesse an dem Thema haben und gerne mehr darüber erfahren wollen.

Kunst-Workshops

„Uns war zu Anfang nicht klar, in welchem Umfang der Alltag Jugendlicher von sexuellen Grenzüberschreitungen durchdrungen ist und wie selbstverständlich sie davon berichten“, sagt Claudia Taphorn, Mitarbeiterin im Fachdienst Frauen und Chancengleichheit. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sarah Parrish ist sie verantwortlich für das Projekt HEARTBEAT. In dessen Rahmen haben insgesamt vier Kunst-Workshops stattgefunden: Der Kunst-Workshop „Die große Liebe. Nicht.“ im Efzet in Bad Vilbel, das Theaterprojekt „Herzscheiße“ im Berufsbildungswerk in Karben, ein weiteres Theaterprojekt mit der Behindertenhilfe Wetterau und der Tanz Workshop „Beziehungsweise“ im Junity in Friedberg. Dabei ging es um Nähe und Distanz, Grenzverletzungen, Liebeskummer und starke Gefühle wie Eifersucht, Wut und Scham.

Die Beratungsstellen profamilia, Frauen-Notruf und Wildwasser waren bei HEARTBEAT ebenfalls mit im Boot. Sabine von Felsen von Wildwasser e.V.: „Für Pädagoginnen und Pädagogen ist es zunächst wichtig, eine eigene Haltung zum Thema finden: ‚Was geht mir zu weit und wie ist die Haltung meiner Kollegen und Kolleginnen?‘, ‚Wie gehen wir in unserer Einrichtung/Schule damit um, wenn ein Mädchen als ‚Schlampe‘ oder ein Junge als ‚schwul‘ beschimpft werden? Wie kann eine Kultur der Grenzachtung befördert werden?“

Wie es ist, kunstpädagogisch zum Thema zu arbeiten, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtages in einem Theater- und Fotografie-Workshop ausprobieren. Mit Improvisationsübungen näherten sie sich den brenzligen Situationen, die eine Beziehung zu bieten hat. Die Perspektiven aus der Jungenarbeit fanden im Workshop „Sexualisierte Gewalt in der Arbeit mit Jungen“ Berücksichtigung. Für die Arbeit mit Schulklassen stellte das Petze-Institut die interaktive Ausstellung „Echt krass“ vor, bei der Jugendliche ab der 7. Klasse angeregt werden, sich mit den Themen Grenzen, Sexismus, Respekt, Schutz und Rechte auseinanderzusetzen.

Der Fachtag war vorerst der Abschluss des auf zwei Jahre angelegten Modellprojektes HEARTBEAT. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern aus der Jugendarbeit und den Beratungsstellen (Wildwasser, profamilia und dem Frauen-Notruf Wetterau) zogen die Veranstalterinnen eine positive Bilanz.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.frauenseiten.wetterau.de

Den Film zum Projekt „HEARTBEAT“ finden Interessierte unter www.mediathek-hessen.de, Suchbegriff „HEARTBEAT“

Foto: Gemeinsam gegen sexuelle Übergriffe und Gewalt– am Präventionsprojekt „HEARTBEAT“ waren viele Fachkräfte beteiligt.

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