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Die OVAG will an dieser Stelle eine Trafostation bauen, die Bauarbeiten werden von der Archäologischen Denkmalpflege des Wetteraukreises in Zusammenarbeit mit der hessenArchäologie begleitet, schließlich könnten außer Gräbern des 16. bis 19. Jahrhunderts auch römische Reste zu finden sein. Römische Zeugnisse wurden nicht gefunden, aber Überreste des früheren Friedhofes.

„Sieben komplette Bestattungen wurden angetroffen. Zusammen mit den angeschnittenen Gräbern stießen die Bauarbeiter auf die Überreste von 13 Individuen“, erläutert Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal. Die Skelette lagen, mit ihrer Längsachse, in der für christliche Bestattungen üblichen Ost-West-Ausrichtung. Überreste von Särgen sind nicht mehr vorhanden, lediglich bei einer Bestattung ließ sich der Sarg über die Eisernen Henkel nachweisen.

Nach der archäologischen Dokumentation werden die Gebeine, sortiert und nach Individuen getrennt, an Ort und Stelle (unter der Baugrubensohle) wieder bestattet. „Verbunden mit einer Zeitkapsel, die beschreibt, wer hier wann und wo gegraben hat und was gefunden wurde“, sagt Manuel Pieper, Grabungstechniker vom Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden Abteilung hessenArchäologie, der die archäologischen Arbeiten vor Ort durchführt. Landrat Jan Weckler hebt in diesem Zusammenhang die gute und bewährte Zusammenarbeit zwischen hessenArchäologie und Kreisarchäologie hervor.

Zur Historie der Leonhardskirche

In Friedberg gab es mehrere mittelalterliche Sakralbauten, von denen aber nur die Stadtkirche erhalten geblieben ist. Die Hospitalkirche stand bis 1965, alle anderen Kirchen und Kapellen waren schon vorher wegen Baufälligkeit oder fehlender Nutzung abgerissen worden. Von der 1842 abgerissenen Leonhardskirche, die auf dem heutigen Goethe- und Europaplatz stand, sind Ansichten erhalten geblieben, so dass sich Nachgeborene zumindest ein Bild von ihr machen können. Nachzulesen in einem Aufsatz von Johannes Kögler, Leiter des Wetterau-Museums, den er für den ersten Band der Stadtgeschichte „Friedberg in Hessen“ verfasst hat.

Die Leonhardskirche war eine zweischiffige gotische Kirche, die im 14. Jahrhundert in zwei Hauptbauphasen errichtet wurde und auf Stiftungen Friedberger Patrizierfamilien zurückgeht. 1310 wurde mit dem Bau des Hauptschiffs begonnen, Urkunden aus den Jahren 1317 und 1318 nennen sie als Kapelle, die den Heiligen Nikolaus und Leonhard geweiht ist. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts wird sie meist nur noch als Leonhardskapelle geführt. Im Zuge der Reformation verlor die Kapelle aufgrund der Konzentration des Predigt- und Abendmahlsgottesdienstes auf die Hauptpfarrkirche an Bedeutung. Eine neue Funktion als alleinige Friedhofs- oder ‚Totenkirche‘ erhielt sie, nachdem 1546 der Kirchhof der Stadtkirche geschlossen worden war. Im Dreißigjährigen Krieg wurde mit der Zerstörung der Vorstadt auch die Leonhardskirche stark beschädigt, doch erhielt sie kurz darauf (1649) bereits ein neues Dach. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts verschlechterte sich der bauliche Zustand, unter anderem durch die Nutzung als Magazin im Siebenjährigen Krieg. Als 1841 der Friedhof geschlossen und weit vor das Fauerbacher Tor an seinen heutigen Standort verlegt wurde, verlor die Kirche endgültig ihre Funktion. Aufgrund der hohen Renovierungskosten konnte die Kirche nicht erhalten und neu genutzt werden, sondern wurde 1842 zur Gewinnung von Baumaterial verkauft und abgerissen.“

Übrigens: Im Hof des Wetterau-Museums in der Haagstraße stehen drei Grabsteine des ehemaligen Leonhardfriedhofs.

Foto: Blick in die Baugrube auf ein gut erhaltenes Skelett. Landrat Jan Weckler lässt sich von Grabungstechniker Manuel Pieper Details zur Grabung erläutern. Teile der Tiefgarage und des Gebäudes A der Kreisverwaltung stehen auf dem Gelände der ehemaligen Kirche und des früheren Friedhofs.

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