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Keiler Bier

Senioren entdecken Geschichte, Industrie und Erinnerungen neu

Senioren entdecken Geschichte, Industrie und Erinnerungen neu

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Blickwechsel: Hanauer Stadtteile entdecken“ des Seniorenbüros der Stadt Hanau begaben sich zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine besondere Zeitreise durch Klein-Auheim.

Geleitet wurde die Führung von Angelika Berninger, die über viele Jahrzehnte selbst eng mit der Entwicklung des Stadtteils verbunden war und zahlreiche persönliche Erinnerungen einbringen konnte. Während des Rundgangs wurde deutlich, wie stark Klein-Auheim über viele Generationen hinweg von Industrie, Gemeinschaft und Wandel geprägt wurde. Stationen wie das Alte Rathaus, die frühere Alte Schule, der Rosengarten oder die ehemaligen Standorte großer Unternehmen machten die Geschichte des Stadtteils für die Gruppe lebendig. Start und Treffpunkt des Rundganges war im RadWerk in der Gutenbergstraße. Dort führte der Co-Vorsitzende Detlef Hellmann die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Räumlichkeiten des Heimat- und Geschichtsvereins und berichtete aus der Geschichte.

Besonderes Interesse galt den einst bedeutenden Industriebetrieben Klein-Auheims. So erinnerte Angelika Berninger an die Bauer-Werke, die ab 1914 nach Klein-Auheim kamen und zeitweise zu den größten Arbeitgebern des Ortes gehörten. Fahrräder „Made in Klein-Auheim“ waren weit über die Region hinaus bekannt. In den besten Jahren arbeiteten dort mehrere hundert Menschen, täglich liefen bis zu 1.000 Fahrräder vom Band. Selbst Weltmeisterschaften im Radrennsport wurden auf Bauer-Rädern ausgetragen. Bis heute ranken sich viele Geschichten um das Ende des Unternehmens im Jahr 1968.

Während einer Pause bei der Klein-Auheimer Nachbarschaftsinitiative konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen stärken, ehe der Rundgang zu den nächsten Stationen fortgesetzt wurde. Auch die ehemalige Gummiwarenfabrik Fritz Peter, im Ort schlicht „Gummi-Peter“ genannt, prägte das Leben vieler Menschen. Neben der Produktion von Fahrradschläuchen, Förderbändern oder technischen Gummiwaren blieb vor allem der typische Geruch der Fabrik in Erinnerung.

Je nach Windrichtung mussten Anwohner damals sogar ihre frisch gewaschene Wäsche im Haus trocknen. Gleichzeitig war die Fabrik für viele Familien wichtiger Arbeitgeber und gehörte jahrzehntelang fest zum Ortsbild. Ein weiterer Schwerpunkt der Führung war die Druckerei Illert, die einst international für hochwertige Etiketten bekannt war. Das Unternehmen beschäftigte zeitweise rund 400 Menschen und belieferte Kunden in fast 50 Staaten. Besonders beeindruckend fanden die Teilnehmer die soziale Verantwortung des Unternehmens, das für Mitarbeiter Wohnungen baute, eigene Altersvorsorge anbot und sogar Familienurlaube organisierte.

Neben Industriegeschichte standen auch die Veränderungen im Ortsbild im Mittelpunkt. Der heutige Rosengarten war ursprünglich der erste Friedhof Klein-Auheims, bevor Anfang des 20. Jahrhunderts der neue Friedhof an der Seligenstädter Straße entstand. Die Alte Schule in der Schulstraße, einst Wohnraum für Flüchtlingsfamilien und später Verwaltungsstandort, entwickelte sich nach ihrem Wiederaufbau zum Stadtteilladen und Treffpunkt im Herzen Klein-Auheims.

Immer wieder ergänzte Angelika Berninger historische Daten mit persönlichen Erinnerungen und kleinen Anekdoten aus dem Alltag früherer Jahrzehnte. Gerade diese Mischung aus Fakten und Erlebnissen machte den Rundgang für viele Teilnehmer besonders lebendig und sorgte unterwegs immer wieder für Gespräche und gemeinsames Erinnern.

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie eng Geschichte und persönliche Erfahrungen miteinander verbunden sind und wie sehr sich Klein-Auheim in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat, ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren.

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