Aus der Luft dürften sich Blicke auf die Frankfurter Skyline, den Vogelsberg und den Spessart bieten. Wer mitfliegen will, muss nach Angaben der Organisatoren vorab rechtzeitig Vereinsmitglied werden.
Eine seltene Gelegenheit für Luftfahrtfreunde: Das historische Flugzeug erinnert äußerlich an die Pionierzeit der zivilen Luftfahrt, ist technisch aber auf heutigem Sicherheitsniveau. Die Termine in Hessen sind Teil einer Rundflug-Serie, die der in Altenrhein ansässige Verein Junkers Luftverkehr für 2026 ankündigt. Im Mittelpunkt steht ein Flugzeugtyp, der als Meilenstein der frühen Passagierluftfahrt gilt.
Warum dieses Flugzeug bis heute als Ikone gilt
Die Junkers F13 absolvierte 1919 in Dessau ihren Erstflug und gilt als erstes Ganzmetall-Passagierflugzeug der Welt, welches aus Duraluminium gefertigt wurde. Das Deutsche Museum in München ordnet den Typ so ein: „Die F13 war das erste aus Metall gefertigte Passagierflugzeug – im Juni 1919 eine Weltneuheit.“
Mit offenem Cockpit für Pilot und Bordmechaniker oder Copilot sowie einer geschlossenen Kabine für vier Fluggäste wurde der Tiefdecker in den 1920er-Jahren als Passagier- und Frachtflugzeug genutzt. Luftfahrthistoriker sprechen wegen dieser Aufteilung bisweilen von einer „Postkutsche der Lüfte“.
Originale Maschinen sind heute nur noch als Museumsstücke erhalten. Flugfähige Oldtimer dieses Typs gibt es nicht mehr.
Außen fast wie damals, innen moderne Luftfahrttechnik
Die Nachbauten orientieren sich äußerlich sehr eng an der ursprünglichen Konstruktion mit markanter Duraluminium-Wellblechhülle und der damaligen Ausstattung der kleinen Passagierkabine.
An Bord arbeiten jedoch zeitgemäße Systeme: Im Cockpit kommt moderne Avionik zum Einsatz, um heutigen Sicherheitsanforderungen zu genügen. Angetrieben wird die Maschine von einem modernen Sternmotor.
Der rund zehn Meter lange Nachbau mit einer Spannweite von knapp 15 Metern ist für zwei Besatzungsmitglieder im halboffenen Cockpit und vier Fluggäste in der geschlossenen, beheizten Kabine ausgelegt. Bei den angebotenen Rundflügen werden nach Vereinsangaben jedoch aus Gewichtsgründen maximal drei Passagiere befördert.
So läuft die Buchung – und was Interessierte wissen müssen
„Wir sehen die F13 als fliegendes luftfahrttechnisches und verkehrsgeschichtliches Kulturgut“, sagt Vereinsvorsitzender Bernd Huckenbeck. „Für viele Gäste ist ein Rundflug eine kleine Zeitreise in die Anfangsjahre der Passagierluftfahrt. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis.“
Aus luftfahrtrechtlichen Gründen ist nach Angaben des Vereins für Flüge eine Mitgliedschaft erforderlich. Zwischen Beitritt und Flugtermin müsse ein Vorlauf von mindestens 30 Tagen liegen. Buchungen erfolgen demnach ausschließlich über die Internetseite. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt.
Konkrete Informationen nennt der Verein online unter https://junkers-luftverkehr.com
ANDREAS DUNKER
Einer der drei nahezu originalgetreuen Nachbauten der Junkers F13: Der Flugzeugtyp gehörte vor 100 Jahren zur frühen Flotte der ersten „Luft Hansa“ und prägte die Anfänge des Passagier-Linienverkehrs. FOTO: VJL
Kleine Chronik: Junkers F13 – Original und Replika (Nachbau)
Die Geschichte der Junkers F13 und ihrer Repliken in einigen historischen Schlaglichtern
1919: Unter Leitung von Professor Hugo Junkers entsteht die Junkers F13, die als erstes Verkehrsflugzeug in Ganzmetall-Bauweise gilt. Statt Holz und Stoff setzt der Ingenieur auf eine Wellblech-Beplankung aus einem leichten Aluminium-Werkstoff.
Für die Zeit außergewöhnlich ist: vorn ein offenes Cockpit für Pilot und Bordmechaniker, dahinter eine geschlossene, beheizte Kabine für vier Passagiere. Die Junkers F13 wird deshalb auch als „Postkutsche der Lüfte“ bezeichnet.
25. Juni 1919: Die Junkers F13 hebt in Dessau (Sachsen-Anhalt) zu ihrem offiziellen Erstflug ab. – Das Deutsche Museum in München ordnet das rückblickend so ein: „Die F13 war das erste aus Metall gefertigte Passagierflugzeug – im Juni 1919 eine Weltneuheit.“
13. September 1919: Als Rekordflug überliefert ist ein Höhenflug einer Junkers F13 mit sieben Insassen auf über 6.700 Meter. In Darstellungen wird er als Höhenweltrekord beschrieben.
1921 – 1926: Junkers baut den Luftverkehrsbetrieb aus. Die Junkers Luftverkehr AG gilt als wichtiger Vorläufer späterer Liniengesellschaften. Am 6. Januar 1926werden die Junkers Luftverkehr AG und die Deutsche Aero Lloyd AG auf staatlichen Druck fusioniert. So entsteht die Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft – in dieser historischen Schreibweise bis 1931 – als Staatsunternehmen, ein Vorläufer der heutigen Deutschen Lufthansa AG.
Mitte der 1920er-Jahre: Die F13 prägt den jungen zivilen Luftverkehr mit. Sie wird weltweit eingesetzt und in weit mehr als 300 Exemplaren gebaut – für diese Epoche eine hohe Stückzahl.
1930er-Jahre: Mit der Junkers Ju 52 („Tante Ju“) folgt die nächste Generation im Linienverkehr mit deutlich größerer Passagierkapazität. Historisch lässt sich die Junkers F13 als Vorläuferin einordnen: Beide Typen stehen für die Junkers-Konstruktionslinie aus Metallbau und markanter Außenhaut aus Wellblech.
2013: Das Replika-Projekt (Nachbau) wird neu angestoßen und praktisch umgesetzt. Initiator und Geldgeber ist der Kölner Unternehmer und Pilot Dieter Morszeck, langjähriger Chef von Rimowa. Die Rillenoptik von Rimowa-Alu-Koffern wird in Darstellungen mit der Junkers-Außenhaut in Zusammenhang gebracht.
15. September 2016: Offizieller Erstflug der ersten Junkers-F13-Replika (fast orginialgetreuer Nachbau) in Dübendorf in der Schweiz – fast 100 Jahre nach dem Start des Originals.
Nachkriegszeit: Die meisten Original-Maschinen verschwinden spätestens im Zweiten Weltkrieg aus dem Linienbetrieb. Einzelne Exemplare fiegen in entlegenen Regionen noch bis in die frühe Nachkriegszeit.
Heute: Nach Angaben des Vereins „Junkers Luftverkehr“ mit Sitz in Altenrhein (Schweiz) fliegen drei F13-Repliken: HB-RIM (2016/2018), HB-RIA (2022) und HB-RIO (2023). Die Jahreszahlen hinter der Kennung beziehen sich auf Erstflug und/oder behördliche Flugfreigaben. Die Replika HB-RIM war zeitweise auch in den USA unterwegs und flog dort unter der Kennung N13JU.
Präsident des Vereins ist Bernd Huckenbeck aus Schemmerhofen (Baden-Württemberg).
2026: Geplante Stationen und Rundflüge der Junkers F13 im Jahr 2026 sind Altenrhein in der Schweiz sowie in Deutschland: Gelnhausen, Kempten-Durach, Leverkusen (Kurtekotten), Mainz-Finthen und Oberschleißheim (Flugwerft Schleißheim).
Gepolsterte Ledersitze in der Passagierkabine sorgen für bequemen Sitzkomfort während des Flugs mit der „JUNKERS F13“. Eine Reise oder ein Rundflug in dem Ganzmetall-Flugzeug aus den Anfängen des zivilen Luftverkehrs ist ein besonderes Erlebnis. Durch die großen seitlichen Fenster können die Gäste dabei den Blick von oben auf die Landschaft genießen und durch eine kleine Frontscheibe zudem den zwei Flugzeugführern im offenen Cockpit vor innen über die Schulter schauen. Die Passagiere sind Barbara Langenegger und Roland Amman. Aufgenommen am 6. August 2022. © VJL / Foto: Ugo Vincenzi
Der Co-Pilot am Steuerknüppel im offenen Cockpit der „JUNKERS F13“. Durch ein kleines Fenster können die Passagiere ihm über die Schulter blicken. Sie sitzen in einer geschlossenen Kabine, während den beiden Flugzeugführern der Wind um die Nase weht. Aufgenommen in Dessau (Sachsen-Anhalt) im Juni 2019 © VJL / Foto: Gregor Kaluza / Junkers Flugzeugwerke AG
Die Junkers F13 als Replika in einer Luftaufnahme. Deutlich zu erkennen sind das halboffene Cockpit und die geschlossene Passagierkabine. © VJL
Bernd Huckenbeck ist Vorsitzender des Vereins Junkers Luftverkehr (VJL). Der in der Schweiz ansässige, nicht gewinnorientierte Verein organisiert Rundflüge mit Nachbauten der historischen Junkers F13 und präsentiert die Maschinen bei Veranstaltungen. © VJL / Foto: Gregor Kaluza






