Besonders deutlich würden die Probleme auf der wichtigen Bahnverbindung zwischen Nord- und Osthessen werden: "Durch die Sperrung der Strecke zwischen Baunatal-Guntershausen und Bebra müssen viele Fahrgäste längere Reisezeiten, zusätzliche Umstiege inklusive Schienen-Ersatz-Verkehr mit Bussen in Kauf nehmen. Während Fernverkehrskunden mit den ICE schnell nach Fulda gelangen, sind Reisende mit Deutschlandticket und anderen Nahverkehrstickets auf die holprige Route angewiesen."
PRO BAHN Hessen stellt die Notwendigkeit der Bauarbeiten nicht infrage. Der Fahrgastverband erwartet jedoch eine Erklärung, warum eine seit Jahren bekannte Großveranstaltung wie der Hessentag bei der Baustellenplanung offenbar nicht stärker berücksichtigt wurde. „Der Hessentag ist keine kurzfristige Veranstaltung. Termin und Austragungsort stehen seit vier Jahren fest. Deshalb stellt sich die berechtigte Frage, warum ausgerechnet während dieser Zeit eine der wichtigsten Bahnverbindungen Hessens nur eingeschränkt zur Verfügung steht.“, erklärt Thomas Kraft, Landesvorsitzender von PRO BAHN Hessen.
Die Befürchtungen des Fahrgastverbandes haben sich nach Beobachtungen von PRO-BAHN-Mitgliedern vor Ort bestätigt: "Reisende berichteten von stark überfüllten Zügen, fehlenden Sitzplätzen und erheblichen Kapazitätsproblemen. Teilweise war in den Fahrzeugen wie der Vogelsbergbahn Gießen-Fulda kaum noch ein Durchkommen möglich. Auf einzelnen Verbindungen kam es zusätzlich zu Verzögerungen durch fehlendes Personal. Seit vielen Jahren kritisiert der PRO BAHN Landesverband Hessen die unzureichenden Fahrzeugkapazitäten während der Hessentage. Fast in alle Hessentagsstädte der letzten 20 Jahre ist der Zugverkehr in weiten Teilen wegen der kleinen Nahverkehrstriebwagen sowie wegen überfüllter Bahnsteige und Züge zusammengebrochen."
Manuel Flauaus, Mitglied des Landesvorstands von PRO BAHN Hessen, erklärt: „Unsere Befürchtungen haben sich leider bestätigt. Wer am Wochenende mit dem Deutschlandticket aus Nord- und Mittelhessen zum Hessentag fahren wollte, musste teilweise überfüllte Züge, längere Fahrzeiten und zusätzliche Einschränkungen hinnehmen. Diese Erfahrungen stehen stellvertretend für Probleme, die Fahrgäste derzeit auch in anderen Teilen Hessens erleben. Wer die Menschen für Bus und Bahn gewinnen will, muss dafür sorgen, dass sie auch während Bauarbeiten zuverlässig und unkompliziert an ihr Ziel kommen.“
Der Fahrgastverband fordert daher eine bessere Abstimmung zwischen Infrastrukturmaßnahmen und Großveranstaltungen sowie eine stärkere Ausrichtung der Baustellenplanung an den Bedürfnissen der Fahrgäste.
PRO BAHN Hessen fordert:
- eine frühzeitige Abstimmung von Baustellen und Großveranstaltungen,
- leistungsfähige Regionalverkehrsangebote auch während Sperrungen,
- zusätzliche Kapazitäten Zugangebote bei erwarteten Verkehrsspitzen,
- verständliche und frühzeitige Fahrgastinformationen,
- eine stärkere Berücksichtigung der Fahrgastperspektive bei der Baustellenplanung,
- die Prüfung einer zeitweisen Anerkennung von Nahverkehrstickets im Fernverkehr bei größeren Baustellen.
„Die Verkehrswende lebt davon, dass Menschen Bus und Bahn unkompliziert nutzen können. Die Erfahrungen rund um den Hessentag zeigen, dass hier noch erheblicher Verbesserungsbedarf besteht“, so Thomas Kraft abschließend.



