Im Rahmen des langjährigen Austauschs hatten in diesem Schuljahr 19 deutsche und 20 kanadische Jugendliche die Gelegenheit, ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen, neue Freundschaften zu knüpfen und die Kultur des jeweils anderen Landes kennenzulernen. Bereits Ende September 2025 war die deutsche Austauschgruppe des Beruflichen Gymnasiums für zwei Wochen nach Québec gereist. Am Pfingstmontag kam es schließlich zum Wiedersehen mit den kanadischen „Buddies“, die nun Deutschland besuchten.
Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Austauschs lag auf dem Thema Erinnerungskultur. Beide Gruppen setzten sich mit unterschiedlichen Formen des nationalen Erinnerns auseinander und tauschten ihre Perspektiven aus. Während ihres Aufenthalts in Kanada nahmen die deutschen Jugendlichen gemeinsam mit ihren Gastgebern am Orange Shirt Day teil, der an das Schicksal der indigenen Kinder in den sogenannten Residential Schools erinnert. Die kanadischen Gäste beschäftigten sich ihrerseits mit der deutschen Erinnerungskultur, erkundeten die Gelnhäuser Altstadt und besuchten die dort verlegten Stolpersteine. Ein weiterer Programmpunkt war die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau.
Daneben bot das Austauschprogramm zahlreiche Gelegenheiten, Deutschland und seine Kultur kennenzulernen. Bei Ausflügen nach Frankfurt am Main und Heidelberg erhielten die Jugendlichen Einblicke in Geschichte, Architektur und Lebensweise der Region. Märchenhaft wurde es beim Besuch des Brüder-Grimm-Hauses und des Schlosses in Steinau an der Straße. Einige der kanadischen Schülerinnen und Schüler lernen am Champlain College Deutsch und hatten sich bereits im Vorfeld mit Märchen der Brüder Grimm beschäftigt, die sie nun an authentischen Orten erleben konnten. Natürlich gehörte auch der gemeinsame Schulalltag zum Austausch. Die kanadischen Gäste begleiteten ihre deutschen Partnerinnen und Partner in den Unterricht und nutzten die Freizeit für gemeinsame Unternehmungen. So entstanden in kurzer Zeit viele neue Freundschaften, sodass der Abschied nach einer erlebnisreichen Woche nicht selten mit einigen Tränen verbunden war.
Die Austauschbegegnung wurde aus Mitteln der Initiative Schulen: Partner der Zukunft (PASCH) des Auswärtiges Amt gefördert und durch den Pädagogischer Austauschdienst (PAD) unterstützt. Dadurch konnte den Jugendlichen erneut eine wertvolle internationale Lernerfahrung ermöglicht werden. Nach ihrem Aufenthalt in Gelnhausen setzten die kanadischen Gäste ihre Europareise fort. Über München führte die Reise weiter nach Venedig, bevor es schließlich zurück nach Montréal und Sherbrooke ging. Damit verbanden die Jugendlichen auf einer Reise gleich mehrere europäische Kultur- und Bildungsräume miteinander – von Paris über Gelnhausen bis nach Venedig.
Dass dieser Austausch bereits seit vielen Jahren erfolgreich besteht, ist vor allem dem großen Engagement der beteiligten Lehrkräfte zu verdanken. Auf Seiten der Beruflichen Schulen Gelnhausen lag die Organisation in diesem Schuljahr erstmals in den Händen von Studienrat Christian Trittel, der die Aufgabe nach der Pensionierung von Oberstudienrätin Angelika Lautenschläger im vergangenen Sommer übernommen hat. Lautenschläger hatte die Partnerschaft über viele Jahre hinweg maßgeblich aufgebaut und geprägt. Auf kanadischer Seite wird der Austausch seit Beginn von Vera Mainka koordiniert. Die Lehrerin am Champlain College Lennoxville stammt ursprünglich aus Wächtersbach und bleibt ihrer Heimatregion nicht zuletzt durch den jährlich stattfindenden Schüleraustausch eng verbunden.








