„Unsere Unternehmen erwarten keine Sonderbehandlung. Sie erwarten verlässliche Rahmenbedingungen, auf deren Grundlage sie investieren, Arbeitsplätze sichern und langfristige Entscheidungen treffen können. Genau diese Verlässlichkeit vermissen viele Betriebe derzeit“, sagt Kerstin Cieslik-Pfeifer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsinitiative Mittelstand Main-Kinzig. „Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen einen klaren wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf. Unabhängig von Branche und Unternehmensgröße werden vor allem fehlende Planbarkeit, zunehmende Bürokratie und steigende Kosten als Investitionshemmnisse genannt. Wer Wachstum, Innovation und Beschäftigung stärken will, muss diese Herausforderungen ernst nehmen“, so Cieslik-Pfeifer.
Die Kritik der Unternehmen richtet sich dabei ausdrücklich an die bundespolitischen Rahmenbedingungen: "Gleichzeitig erlebt die Wirtschaftsinitiative im Austausch mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Landes- und Kommunalpolitik eine hohe Bereitschaft, wirtschaftliche Herausforderungen aufzunehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Viele Unternehmen berichten von konstruktiven Kontakten vor Ort und einem ausgeprägten Verständnis für die praktischen Auswirkungen politischer Entscheidungen. Als Interessenvertretung des regionalen Mittelstands sieht die Wirtschaftsinitiative ihre Aufgabe nicht allein darin, Stimmungen abzubilden, sondern konkrete Erfahrungen aus der unternehmerischen Praxis in politische Entscheidungsprozesse einzubringen."
Hendrik Neis, Geschäftsführer der Elektrotechnik Neis Gesellschaft für Haustechnik mbH in Linsengericht, sagt: „Wir brauchen im Mittelstand keine neuen Sonntagsreden, sondern endlich spürbare Entlastung im Alltag. Die zunehmenden Dokumentationspflichten, Nachweise und regulatorischen Vorgaben binden bei uns Zeit, die dann auf der Baustelle, beim Kunden und in der Ausbildung fehlt.“ Für ihn sind klare Regeln für Sicherheit und Qualität wichtig. Aber Bürokratie, die keinen echten Mehrwert bringe, bremse aus seiner Sicht genau die Betriebe aus, die diese Region tragen. Sein Wunsch: „Von der Politik wünsche ich mir mehr Vertrauen in Unternehmer, verlässliche Rahmenbedingungen und mehr Anerkennung für den Mehrwert, den wir der Region bieten.“
Auch Fatih Kilinc, Geschäftsführer Autohaus am Steinheimer Tor GmbH in Hanau, sieht sein Unternehmen täglich mit den Auswirkungen von vielen politischen Entscheidungen aus Berlin konfrontiert. Er kritisiert, dass Abläufe länger dauern, der Verwaltungsaufwand steige und Investitionen aufgrund von nahezu unmöglicher Planbarkeit verschoben oder in Frage gestellt werden müssen. „Hohe Energie- und Betriebskosten, die ständig zunehmende Bürokratie und dazu noch die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit machen es uns immer schwerer, Wachstum zu generieren. Dazu kommen laufend neue Regelungen rund um Elektromobilität, Förderungen und Dokumentationspflichten, bei denen oft der praktische Bezug für den Mittelstand fehlt“, sagt Fatih Kilinc. Er wünscht sich von der Politik Planungssicherheit, keine neuen bürokratischen Hürden und besser ausgebildete Politikerinnen und Politiker. „Es ist schwer erträglich, als Mittelständler den Entscheidungen von für die eigentliche Aufgabe nicht ausgebildeten Politikern schutzlos ausgeliefert zu sein. Um beispielsweise bei einem Fahrzeug gemäß Herstellervorgabe einen Service durchzuführen, muss unser Mitarbeiter eine dreijährige Ausbildung absolviert haben und danach die Gesellenprüfung erfolgreich bestanden haben. Würden wir dieses Prinzip auf die Politik anwenden, wäre nicht nur uns Mittelständlern, sondern allen Bürgern unseres Landes sehr geholfen.“
Christian Hilsdorf, Geschäftsführer der Systeex Brandschutzsysteme GmbH in Hanau, sieht sein Unternehmen aktuell durch steigende Energiepreise, zusätzliche CO₂-Abgaben sowie eine zunehmende Bürokratisierung zwar ebenfalls eingeschränkt, aber nicht stark belastet. Dennoch nennt auch er konkrete Auswirkungen für sein Unternehmen: „Diese Faktoren führen zu spürbar höheren Kosten, einem Rückgang von Aufträgen sowie zunehmenden Herausforderungen bei der Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte.“ Daher wünscht er sich von der Politik einen Abbau bürokratischer Hürden, verlässliche Rahmenbedingungen sowie gezielte finanzielle Entlastungen für den Mittelstand.
Auch weitere, namentlich nicht genannte Mitglieder verweisen auf erhebliche Belastungen durch langwierige Genehmigungsverfahren, komplexe Vorschriften und steigende Standortkosten. Viele Unternehmen sehen darin ein Investitionshemmnis, das Wachstum und Innovation erschwert. „Statt einzelner Subventionen fordern viele unserer Mitglieder einfachere Regeln für Genehmigungen, niedrigere Standort- und Energiekosten, schnellere Prozesse sowie eine verlässliche Politik, die Investitionen erleichtert statt erschwert“, fasst Cieslik-Pfeifer die weiteren Rückmeldungen zusammen.
Die Wirtschaftsinitiative Mittelstand Main-Kinzig wird die Ergebnisse der Befragung zeitnah mit den Bundestagsabgeordneten des Main-Kinzig-Kreises erörtern. "Ziel ist nicht die pauschale Kritik politischer Entscheidungen, sondern die Entwicklung konkreter Lösungsansätze für einen leistungsfähigen Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Mittelstand ist bereit, Verantwortung zu übernehmen, zu investieren und auszubilden. Dafür braucht er politische Rahmenbedingungen, die Vertrauen schaffen statt Unsicherheit zu erzeugen. Die Erfahrungen der Unternehmen müssen stärker in politische Entscheidungen einfließen, wenn Deutschland seine wirtschaftliche Stärke erhalten will“, so Cieslik-Pfeifer abschließend.



