TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

Radikaler Sparvorschlag: Wer braucht noch Apotheken?

Radikaler Sparvorschlag: Wer braucht noch Apotheken?

Der Hessische Apothekerverband weist die Überlegungen des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Apotheken weitgehend durch Drogeriemärkte, Versandhandel, ärztliche Arzneimittelabgabe und wenige Regionalapotheken mit Fahrdienst zu ersetzen, entschieden zurück. "Wer Apotheken im Kern als reine Abgabestellen für Packungen beschreibt, blendet zentrale Versorgungsleistungen vollständig aus. Die Vor-Ort-Apotheken sind kein logistischer Anhängselbetrieb, sondern ein unverzichtbarer Teil der Arzneimitteltherapiesicherheit und der niedrigschwelligen Gesundheitsversorgung", heißt es in einer Pressemitteilung.

VORSPRUNG - Anruf genuegt

Apotheken würden täglich weit mehr als die Abgabe industriell hergestellter Arzneimittel leisten:

  • Sie prüfen Verordnungen, Dosierungen, Plausibilität, Wechselwirkungen und Kontraindikationen - häufig gerade an der Schnittstelle zwischen mehreren Ärztinnen und Ärzten.
  • Sie beraten Patientinnen und Patienten unmittelbar, persönlich und niedrigschwellig zur sicheren Anwendung ihrer Medikamente.
  • Sie stellen Arzneimittel individuell her, etwa Rezepturen für Kinder, Palliativpatienten oder besondere Versorgungssituationen.
  • Sie sichern Nacht- und Notdienste, Botendienste, Akutversorgung und die Versorgung auch dort, wo digitale Lösungen oder Versandwege praktisch nicht helfen.
  • Sie sind insbesondere für ältere, multimorbide und weniger digital affine Menschen ein vertrauter und oft unverzichtbarer Ansprechpartner vor Ort.

"Ein 24/7-Fahrdienst ersetzt kein pharmazeutisches Gespräch. Ein Drogerieregal ersetzt keine heilberufliche Verantwortung. Und eine Arzneimittelversorgung, die vorrangig auf Versandhandel und wenige zentrale Standorte setzt, wird gerade im ländlichen Raum nicht sicherer, sondern ausgedünnt", so der Hessische Apothekerverband weiter.

Der HAV hält die Äußerungen daher nicht für einen konstruktiven Beitrag zur notwendigen Weiterentwicklung der Versorgung, sondern für eine gefährliche Verkürzung einer komplexen Versorgungsrealität: "Gerade jetzt brauchen wir Respekt, Sachlichkeit und Kooperation zwischen den Heilberufen - keine öffentlichkeitswirksamen Vorschläge, die das Vertrauen zwischen Arztpraxen, Apotheken und Patientinnen und Patienten belasten. Natürlich müssen Strukturen modernisiert, Bürokratie reduziert und Kompetenzen sinnvoll verteilt werden. Das gelingt aber nur mit den Apotheken und ihren pharmazeutischen Teams - nicht gegen sie. Wer die Versorgung der Menschen in Hessen ernst nimmt, muss Vor-Ort-Apotheken stärken, nicht ihre Abschaffung diskutieren."

Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de

Kommentare

0
Medizinmann
5 stunden vor
Der Vorschlag des Apothekerverbandes ist viel zu defensiv.
In englischsprachigen Ländern bieten Apotheken ärztliche Leistungen an.
Impfungen, Wundversorgungen, Verordnung bei leichten Erkrankungen
Eine ärztliche Beratung bis zur ambulanten Behandlung
wäre eine gute Ergänzung zur Apotheke.

Die Arbeitsteilung Arzt verordnet, Apotheker erklärt hat noch nie gut funktioniert.
Gefällt mir Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis