Konkret gehe es den Protestierenden um den Fall von Frau U., die in unsäglicher Weise von einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes im Zuge der obligatorischen „gesundheitlichen Beratung“ ausgeforscht und drangsaliert worden sei.
Die Protestierenden forderten darüber hinaus die sofortige Aufhebung der Zuständigkeit des „Sozialpsychiatrischen Dienstes“ für die gesundheitliche Beratung von Sexarbeiter*innen. "Der 'Sozialpsychiatrische Dienst' ist laut eigenen Angaben zuständig für 'Menschen mit seelischen Problemlagen und / oder psychischen Erkrankungen'. Es ist nicht einzusehen und hochgradig diskriminierend, dass Sexarbeiter*innen durch die obligatorische Zuständigkeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes für ihre gesundheitliche Beratung gleichgesetzt werden mit 'Menschen mit seelischen Erkrankungen, Suchterkrankungen und gerontopsychiatrischen Erkrankungen'. Sexarbeiter*innen sind keine Personen, die per se seelische Problemlagen oder 'psychische Erkrankungen' vorweisen. Sie sind zuallererst Personen, die den Beruf Prostitution ausüben", erklärte Doña Carmen e.V..
Der Main-Kinzig-Kreis wies auf Nachfrage die Unterstellungen des Vereins zurück: "Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in der Kreisverwaltung beraten und befragen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter mit gebotenem Respekt und großer Professionalität. Neben weiteren Aspekten gehört zu ihrem Auftrag auch die sensible Klärung, ob sich die Personen in einer Notsituation befinden oder gegen ihren eigenen Willen Dienste verrichten. Für eben diese sensiblen Gespräche gibt es im Main-Kinzig-Kreis ausgebildete und erfahrene Kräfte, die in der Tat im Sozialpsychiatrischen Dienst angesiedelt sind, dessen Aufgabenbereich aber eben weit mehr umfasst, als die Betreuung von Menschen in seelischen Problemlagen. Der Name dieses Bereichs hat aber auf all diese vielen und auch höchst unterschiedlichen Aufgabenbereiche keinerlei Einfluss. Zum konkreten Fall hat der Main-Kinzig-Kreis die interne Prüfung begonnen und macht der Betroffenen wie auch Dona Carmen ein Gesprächsangebot, um die seinerzeitige Beratungssituation im direkten Austausch zu besprechen und einzuordnen."




