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Trauer um Kulturpreisjurymitglied Renate Holzapfel

Trauer um Kulturpreisjurymitglied Renate Holzapfel

Am 1. Juni 2026 verstarb nach langer Krankheit das langjährige Mitglied der Kulturpreisjury des Main-Kinzig-Kreises, Renate Holzapfel.

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Mit großer Trauer reagierten Landrat Thorsten Stolz (SPD) und die Vorsitzende der Jury des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises, INK Sonntag-Ramirez Ponce, auf diese Nachricht.

„Renate Holzapfel war eine couragierte Frau mit großer Empathie für die Menschen in ihrer Umgebung. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie und Freunden. Wir sprechen unser tief empfundenes Beileid aus“, erklärten Landrat Thorsten Stolz und Kulturpreisjuryvorsitzende INK Sonntag-Ramirez Ponce in einem gemeinsamen Nachruf anerkennend das Lebenswerk der herausragenden Persönlichkeit.

Geboren wurde Renate Holzapfel am 6. Oktober 1944 in Kaufbeuren. Bereits früh begann sie ihre Ausbildung als Industriekauffrau. Mit 21 hielt sie nichts mehr auf, als Volljährige ihre Erfahrungen im Ausland zu suchen. Sie bekam das Angebot des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED), zwei Jahre nach Tansania zu gehen, um das Sekretariat des britischen Direktors zu führen. Bei den Reisevorbereitungen lernte sie in den damaligen Räumen des DED im Wächtersbacher Schloss ihren späteren Ehemann Axel Holzapfel kennen, der auch nach Tansania entsandt wurde. Zwei Jahren später kam das Paar mit dem ersten Kind nachhause, wanderte aber Oktober 1968 nach Kanada aus. In Edmonton vor den Rocky Mountains fand Axel eine Anstellung als Architekt, Renate Holzapfel bildete sich als Programmiererin aus.

Januar 1970 wurde Tochter Sonja geboren. Das politische Klima in der Provinz Alberta änderte sich. Großprojekte, die in Axel Holzapfels Architekturbüro in Planung waren, wurden aufgekündigt. Im Juni 1972 kehrten Holzapfels nach Westdeutschland zurück, um bald darauf für zwei Jahre nach Tansania überzusiedeln. Nach weiteren Stationen in Südafrika und Äthiopien kehrte die Familie nach Deutschland zurück und lebte seither in Wächtersbach. Hier begann ihre lokalpolitische Karriere. Zunächst engagierte sie sich, um eine Feriensiedlung am Weiherhof in Wittgenborn zu verhindern, dann um grüne Politik nach Wächtersbach zu bringen. Renate Holzapfel war vier Jahre Ortsvorsteherin Innenstadt, dann zwölf Jahre Mitglied im Magistrats in der Zeit der Bürgermeister Heldmann und Krätschmer und zuletzt vier Jahre Fraktionsvorsitzende der Bürgerinitiative Wächtersbach, die für grüne Politik stand.

„Renate Holzapfel wurde aktives Gründungsmitglied des Wächtersbacher Geschichtsvereins, unterstützte den Klein-Kunstkreis Märzwind, der Kultur aufs Land bringen wollte und begann sich intensiv um Frauenrechte, Frauengeschichte, Flüchtlinge mit Kindern und deren Asylverfahren zu kümmern. Zudem gründete sie das Wächtersbacher Frauenerzählcafe“, erinnert die Vorsitzende der Jury des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises, INK Sonntag-Ramirez Ponce. Parallel dazu begann sie ein Magisterstudium am Institut für Kulturanthropologie und Ethnologie, belegte Afrikanistik und englische Literatur und erhielt nach acht Semestern ihren Magister Artium mit Auszeichnung.

„Ihr vielfältiges Wirken im Main-Kinzig-Kreis ist beispielhaft und in dieser Form einzigartig“, sagt Landrat Thorsten Stolz. Als engagierte, mutige und weltgewandte Person suchte sie immer neue Herausforderungen und Aufgaben. So ging es für Renate Holzapfel weiter mit einer Sonderausbildung in Bonn, um im Auftrag des Auswärtigen Amtes und der EU in Brüssel für internationale Wahlbeobachtungen weltweit entsandt zu werden. Sie hatte in 15 Jahren insgesamt 26 Einsätze in 22 Ländern. Sie war in unter anderem in den ehemaligen Sowjetrepubliken, in West – und Ostafrika, Sri Lanka und zur ersten „Obama-Wahl“ 2008 in den USA.

Für den Main-Kinzig-Kreis wurde Renate Holzapfel Mitglied der Jury, die jährlich den Kulturpreis vergab. Landrat Erich Pipa ehrte sie 2006 mit der Verleihung der Medaille für Heimatpflege und Geschichtsforschung für ihre Bemühungen zur Eingliederung von Flüchtlingen, der Vernetzung von Kulturarbeit, dem Wirken im „Archiv Frauenleben“ und der langjährigen Arbeit ihres Wächtersbacher Erzählcafes. Jedoch machte die fortschreitende Krankheit ihren vielfachen Unternehmungen ab 2016 zunehmend schwieriger.

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